Im Rückblick hat der amerikanische Zeichner Carl Barks seine Lieblinsfigur einmal so beschrieben: „Er war manchmal ein Schuft, aber oft auch ein wirklich guter Junge und jederzeit eine Person mit Fehlern, so wie der Durchschnittsmensch.“ Etwas genauer lässt sich sagen, dass Donald Duck ein durchaus selbstsüchtiges, auf seinen Eigennutz bedachtes Wesen hat, so wie auch sein superreicher Onkel Dagobert, nur nicht über dessen Geschäftssinn verfügt und auch sonst, wie der Vergleich mit seinen Neffen Tick, Trick und Track zeigt, nicht zu den Klügsten gehört.

Vor allem, dass er nicht strategisch, das heißt über den Augenblick hinaus zu denken in der Lage ist, lässt ihn immer wieder leichtsinnig handeln. Er sieht zumeist nur das Naheliegende, das unmittelbar Verlockende und erliegt ihm sofort. Er stellt somit den idealen Endverbraucher dar – ähnlich wie heute sein Bruder im Geiste, Homer Simpson.

Donald ist also ganz auf der Höhe der Zeit. Donald ist einer von uns, ein Schnäppchenjäger und Steuerhinterzieher, ein Wutbürger und Gernegroß. Dabei ist ihm sein Alter wirklich nicht anzusehen. Der Erpel wurde bereits vor 80 Jahren geboren... Huch, ist es schon wieder so weit? Da wollen wir doch schnell „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“ sagen!

Eine Ente wie du und ich

Donald ist die bekannteste Ente der Welt. Doch stammt er aus bescheidenen Verhältnissen. Als offizielles Geburtsdatum gilt sein Auftritt in dem Trickfilm „The Wise Little Hen“ am 9. Juni 1934. In der Nebenrolle, die er darin spielte, stellte Donald sich bereits mit einer seiner herausragenden Charaktereigenschaften vor, nämlich als um keine Ausflucht verlegener Faulpelz und Taugenichts. Das Kinopublikum scheint sich darin wiedererkannt zu haben: Binnen kurzer Zeit stieg der schnatternde Erpel im Matrosenanzug, den der Animationszeichner Dick Lundy und der Synchronschnatterer Clarence Nash erfunden hatten, zum beliebtesten Disney-Star auf.

Als boshafter Sidekick verwirbelte er zunächst das damals schon recht geregelte Leben seiner Kumpane Mickey und Goofy. Schon bald aber trennte er sich von seinen Freunden, baute ein Haus und gründete eine Familie – wenn auch nicht aus freien Stücken. „Lieber Donald“, hieß es in einem Brief, den er Ende 1937 von seiner Schwester Della bekam, „ich schicke dir deine drei kleinen Neffen Tick, Trick und Track. Nimm sie auf, denn ihr Vater ist im Krankenhaus. In seiner Hose ist etwas explodiert. Was will man machen. Die drei Engelchen wollen andauernd spielen. Herzliche Grüße, Deine Della.“

So wurde der Erpel zum Onkel: Der Comic-Zeichner Al Taliaferro beschenkte ihn in seinen Zeitungs-Strips mit den drei adoptierten Neffen und später der ewigen Braut Daisy. Zu dem Erpel, wie wir ihn kennen, machte Donald dann aber erst der Comic-Heft-Zeichner Carl Barks: Er versah ihn Anfang der Vierzigerjahre mit einem frischen Matrosenanzug und etwas später mit einem sehr, sehr reichen Onkel. Vor allem aber versah er ihn mit jenem Jähzorn und jenem Phlegma, jenem Leichtsinn und jener Liebenswürdigkeit, in der wir alle uns bis heute wieder erkennen können. Die Ente war Mensch geworden. Möge sie noch lange unter uns sein.