In Liebe vereint: Die beiden Teenager Amity (l.) und Luz sind voneinander sehr angetan.
Foto: Disney+

BerlinNiedlich sieht Luz aus. Mit seinen großen Augen, die so neugierig und strahlend in die Welt schauen, mit seinem mutigen und quirligen und offenen Wesen ist das Mädchen ein echter Sympathieträger. In der neuen Disney-Animationsserie „Willkommen im Haus der Eulen“ stolpert die 14-Jährige durch eine magische Jenseitswelt – in die sie über ein geheimnisvolles Portal geraten ist. Seitdem hat sie sich mit der rebellischen Zauberin Eda und dem kleinen Krieger King angefreundet, hält die sich bislang ungestört bekriegenden Mächte des Guten und des Bösen ordentlich auf Trab und will trotz fehlender Zauberkräfte eine echte Hexe werden.

Bei Disney haben Niedlichkeit und Liebreiz eine gute Tradition, da ist Luz keine Ausnahme. Dennoch unterscheidet sich der allmählich zu sich selbst erwachende Teenager von Schneewittchen, Cinderella oder Eisprinzessin: Luz ist bisexuell. Sie und Amity, eine weitere wichtige Figur, sind sichtlich voneinander angetan – und werden zu einem Paar. Eben das ist eine kleine Kulturrevolution in der nicht gerade queeren, sondern deutlich heteronormativen, zumeist kreuzbraven Disney-Welt. Die von den Pixar-Studios produzierte Serie wird bei Disney+ ab dem 31. August auch bei uns zu sehen sein. Ein durchaus quietschbuntes Vergnügen.

Mein Güte, das wurde aber auch Zeit: Disney scheint sich ganz allmählich an LGTBQ+-Charaktere heranzutrauen. So weist der seit März in den Kinos laufende Pixar-Film „Onward“ eine lesbische Nebenfigur auf, in einem Kurzfilm aus dem gleichen Animationsstudio („Out“) ringt ein schwuler Mann damit, sich vor seinen Eltern zu outen. Immerhin, als in „Findet Dorie“ (2016) ein vermeintlich lesbisches Paar einen Kinderwagen durch den Park schob, musste ein Disney-Sprecher noch erklären, von all dem nichts zu wissen: Man habe nicht zu verantworten, was Menschen in Filmen sehen. Jetzt scheint Disney doch Verantwortung zu übernehmen.

Dana Terrace, die Drehbuchautorin, 29, von „Haus der Eulen“, erzählte bei Twitter, dass Disney ursprünglich keine queeren Figuren erlauben wollte. Sie hat sich durchgesetzt. Welch Irrsinn, dass wir das im Jahre 2020 als Erfolg verbuchen müssen.