Essen auf Rädern – damit verband man mal einen Service der Pflegedienste für Menschen, die nicht mehr aus dem Haus kommen oder selbst kochen können. Heute steht es für Straßenköche, also junge, meist hippe Menschen, die auf bunten Märkten und Festivals internationale Spezialitäten aus ihren mobilen Garküchen verkaufen. Aber geht es dabei wirklich um gutes Essen? Oder doch eher um kleine Portionen zu hohen Preisen?

Genau dieser Frage widmet sich der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) am Sonnabend in der Auftaktfolge eines neuen Fernsehformats. „Dit isst Berlin!“, produziert von Dokumentarfilmer und Ex-ARD-Korrespondent Norbert Lübbers, ist ein dreiteiliger kulinarischer Roadtrip: Jede Folge hat ein großes Ernährungs-Thema, dem Moderatorin Anni Dunkelmann in ihrem eigenen Foodtruck nachspürt. Los geht es mit dem Berliner Streetfood-Hype.

„Heimweh-Essen“ in der Markthalle Neun

Auf einem Schrottplatz am Ostkreuz trifft Dunkelmann auf Henrik Möller, der einen alten Grillwagen zum Stand für schwedische Köttbullar umbauen will. Wochenlang hat der ehemalige Technoclub-Manager an der richtigen Rezeptur für die Fleischbällchen gefeilt und viel Geld investiert, um sich seinen Traum zu erfüllen. Am Ende zählt trotzdem vor allem eines: „Man muss gut verkaufen können“, erklärt Möller. Denn die Konkurrenz ist hart.

Sie trifft sich wöchentlich an Orten wie der Markthalle Neun, wo Foodies die Qual der Wahl haben zwischen tibetischen Dumplings, brasilianischen Tapioca (gefülltes Fladenbrot) oder dem inzwischen omnipräsenten Pulled Pork. „Heimweh-Essen“, nennt Dunkelmann die hier oftmals von Zugezogenen angebotenen Leckereien.

Ob sich auch schnöde Currywurst gut verkauft, so lange sie auf einem Streetfood-Markt angeboten und mit einer selbstgemachten Sauße zubereitet wird, testet sie mit einem eigenen Stand  in der Kulturbrauerei.

Mit Schrippen-Mutti durch die Nacht

Diesem selbstironischen Experiment zuzuschauen macht Spaß, nicht zuletzt auch dank der immer gut gelaunten Moderatorin. rbb-Zuschauer kennen Dunkelmann aus dem Wetterbericht und der Rubrik „Annis Entdeckungen“ in der „Abendschau“, für die sie Berlins schrägste Orte vorstellt.

Dass sie ihre Entdeckungsreisen nun auf 30 Minuten ausdehnen darf, wird besonders durch die  Viefalt  der so möglichen Begegnungen zum unterhaltsamen wie lehrreichen Fernseherlebnis: Etwa, wenn sie mit der „Berliner Ur-Mutter des Streetfood“ - Inge Schulze alias „Schrippen-Mutti“ - durch die Nacht fährt.

Schulze beliefert auch mit 78 Jahren noch die Kneipen und Table-Dance-Bars der Stadt und spendet die Reste für Obdachlose. „So viele Küsse wie ich in einer Nacht von meinen Kunden bekomme, bekomme ich das ganze Jahr nicht  von meinen Kindern“, sagt sie. Es geht also nicht immer nur um den Hype und das Geld.

„Man braucht definitiv eine Vision und viel Leidenschaft“, sagt Dunkelmann über das, was sie beim Drehen gelernt hat. „Dafür ist Berlin der ideale Ort – hier gibt es so viele junge  Idealisten, die einfach etwas ausprobieren, und sich trauen, auf einen aktuellen Trend zu setzen, ohne zu wissen, ober er bleibt“.

Format für eine jüngere Zielgruppe

Genau diese  will auch der rbb mit dem neuen Format erreichen. „Unser Ziel ist natürlich, mit solchen Programmen jüngere Zuschauer für uns zu gewinnen“, sagt Martina Zöllner, die beim Sender den Programmbereich  Doku und Fiktion verantwortet. Und da diese Zielgruppe ihren Sonnabend nicht mehr unbedingt vor dem Fernseher verbringt, sind die Episoden auch schon jeweils zwei Tage vor der TV-Ausstrahlung in der Mediathek abrufbar.

Nach dem Streetfood soll es um Berliner Klassiker wie Eisbein und  um Landwirtschaft in Brandenburg gehen. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht das letzte Abenteuer mit dem Dunkelmannschen Truck sein wird – laut rbb ist ein Fortsetzung der Reihe nicht ausgeschlossen.

„Dit isst Berlin!“ Teil 1 am 21.4., Teil 2  am 28.4., Teil 3 am 5.5., jeweils 18.30 bis 19 Uhr im rbb. Die erste Folge kann man bereits hier anschauen.