Sie kam in den späten 1970er-Jahren aus Südasien und löste ein Massensterben aus. In ihren angestammten Herkunftsgebieten lebt die Varroamilbe mit der Biene zwar auch nicht in Harmonie und Symbiose, doch haben die Bienen mit der Zeit Resistenzen entwickelt und kommen daher mit einem Befall durch die Milben wesentlich besser klar. In Europa hingegen fielen und fallen sie ihr völkerweise zum Opfer. Seither sinnen Imker und Bienenfreunde, Forscher und Wissenschaftler aller Couleur auf Lösungen und suchen nach Möglichkeiten, des Problems Herr zu werden. Wobei sich die Überlegungen interessanterweise auch entlang der Frage bewegen, ob man auf Resistenzenbildung setzen, also den Lauf der Natur abwarten soll oder ob Medikamentierung und damit die chemische Keule das Mittel der Wahl sein sollte. Durchseuchung oder Impfung? Das klingt doch bekannt.

„Eine Frage der Haltung“, der Titel des Dokumentarfilms von Felix Remter und Miriam Remter, spielt allerdings nicht nur auf alternative Behandlungsmethoden an, sondern meint darüber hinaus eine generelle Einstellung: Betrachtet man die Honigbiene als Nutztier, Haustier oder Wildtier? Und welche Form des Umgangs resultiert jeweils daraus? In der Art und Weise also, in der einer seine Bienenvölker hält, kommt die Haltung zum Ausdruck, die er gegenüber der Biene und ihrer Lebensgestaltung hat.

Begreift ein Imker die Völker, die er besitzt, als eine Investition, wird er eher auf Medikamentierung setzen als einer, der die Biene als freies Wesen ansieht, für das er Sorge trägt, um das er sich kümmert, und dem er dafür am Ende einen Teil des Honigs klaut. Im vergangenen Jahr brachte der vielfach preisgekrönte Dokumentarfilm „Honeyland“ von Ljubomir Stefanov und Tamara Kotevska diese unterschiedlichen Herangehensweisen zum Ausdruck. Angesiedelt in einer abgelegenen Gegend Nordmazedoniens wartet der Film mit spektakulärer Landschaft auf und bedient mit seinen Einblicken in bäuerliche Lebensformen zugleich ethnografische Interessen.

Demgegenüber bleibt „Eine Frage der Haltung“, der vor allem mit makroskopischen Detailaufnahmen beeindruckt, selbst dann noch nüchtern, wenn er die traditionelle Honiggewinnung der Zeidlerei zeigt, wie sie heute beispielsweise in einem russischen Nationalpark praktiziert wird. Für den konventionellen deutschen Imker mit dem gemütlichen runden Bauch kommt es nicht infrage, auf Bäume zu steigen, um in luftiger Höhe einen Teil der rund gebauten Bienenwabe zu entnehmen. Er findet das romantisch und hält seine Völker in den praktischen, aber eben instinktwidrigen Kästen. Also kommt im Gegensatz von rund versus eckig das alte Dilemma der menschlichen Hybris einmal mehr zum Ausdruck. Mit Romantik hat das nichts zu tun.

Eine Frage der Haltung Deutschland 2020, Regie: Felix Remter und Miriam Remter, mindjazz pictures/AL!VE, ca. 17 Euro.