Unterwegs verbunden: die Yamamotos.
Foto: Laboratory

BerlinVor zehn Jahren hatte Kazuhiro Soda das Ehepaar Yamamoto schon einmal besucht. Jetzt geht Masatomo Yamamoto in den Ruhestand. Seine Frau Yoshiko an der Hand, bringt er ein letztes Mal die wenigen Hundert Meter zur Praxis hinter sich, um dort seine Patienten endgültig in die Obhut eines anderen Psychiaters zu geben. Keiner von ihnen will einen anderen Arzt. In langen Einzelgesprächen bitten die Patienten den Mann, der ihre psychische Erkrankung teilweise über Jahrzehnte begleitet hat, vielleicht wenigstens einmal in der Woche in die Praxis zu kommen.

Dr. Yamamoto hört mit grenzenloser Geduld zu. Er nickt freundlich, spendiert ein Lächeln (im Notfall auch mal 3000 Yen), stellt Fragen und vergisst nie zu erwähnen, dass sie, die Patienten, die eigentliche Arbeit geleistet haben und er im Notfall natürlich auch weiterhin auf dem Handy zu erreichen sei.

Tiefe Verbeugungen und Tränen

Masatomo Yamamoto ist 82 Jahre alt. Seine Verabschiedung und seine letzten Arbeitsstunden werden begleitet von der kollektiven Dankbarkeit seiner Patienten, seiner Kollegen und seiner Mitarbeiter. Tiefe Verbeugungen und Tränen, die sich einfach nicht zurückhalten lassen wollen, folgen ihm bis vor seine Haustür. Die Kamera geht noch weiter und folgt dem Ehepaar bis ins Wohnzimmer. Regisseur Kazuhiro Soda betritt als Gast das Haus der Yamamotos.

Auf den tränenreichen Abschied folgt der eigentlich bewegende Teil dieses Films. „Bleiben Sie doch zum Essen, Herr Soda!“, schlägt der Doktor vor. Soda bleibt und findet im Alltag der Yamamotos, in den wir mit ihm eingeladen werden, eine berührende Geschichte über das Altwerden.

Dem Ende des Lebens entgegen

Mit der gleichen Geduld, die Yamamoto seinen Patienten entgegen bringt, folgt die Kamera den Handgriffen im Haushalt. Langsam und gründlich putzt der Arzt die Schüsseln für das bestellte Essen, gießt seiner Frau noch eine Schluck ein und begleitet sie schließlich, während die Kamera sich abwendet, zur Toilette. Yoshiko nimmt oft nur noch passiv an diesem Alltag teil. Die demente Frau reibt sich oft, in sich selbst versunken, die eigenen Hände. Sie lächelt noch immer viel, ist aber schon nicht mehr wirklich da.

In Kazuhiro Sodas erstem Film über das Paar („Seishin“ von 2009), war sie voller Vitalität. Heute nimmt sie nur noch passiv am Geschehen teil. Eine Freundin erzählt, in Anwesenheit des Paares, von den Opfern, die Yoshiko für ihren Mann bringen musste. In den eigenen vier Wänden hat sie die Patienten versorgt, die ihr Mann mitbrachte. Jetzt ist es Masatomo der seine Frau unterstützt, sie daheim pflegt und sie an seiner Hand durch das Leben führt.

„Zero“ ist die so schöne wie melancholische Geschichte einer Ehe, die nun, im höchsten Alter, mit liebevoller Selbstverständlichkeit einen Rollentausch vollzieht. Die Yamamotos schreiten dem Ende ihres Lebens entgegen. Hand in Hand.