Der US-Präsident bei seiner Ausfahrt vor dem Walter-Reed-Medical-Center in Bethesda/Washington.
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In einigen privaten TV-Sendern erfreuen sich seit Jahren sogenannte Pannen-Shows einer gewissen Beliebtheit. Darin können die Zuschauer dabei zusehen, wie anderen, nicht selten Kindern oder Tieren, etwas zustößt. Autsch.

In der dargebotenen Form aber löst das Unglück der anderen nicht Mitleid aus, sondern Gelächter. Ein Junge hüpft übermütig auf einem Sofa, verliert die Kontrolle über den aufgenommenen Schwung und stürzt krachend zu Boden. Das muss schmerzhaft gewesen sein, aber zum Gefühl, das unter dem Begriff Schadenfreude als deutsches Wort in den internationalen Sprachgebrauch eingegangen ist, gehört das Phänomen, dass auf wundersame Weise der Schmerz ausgeblendet scheint.

Die Clips sind derart schnell aneinandergereiht, dass nicht nur dem Zuschauer die Folgen des Unglücks erspart bleiben, sondern auch dem Opfer. Ein Versorgung der Wunden findet nicht statt, auf den mutmaßlich leidvollen Zusammenstoß folgt alsbald der nächste.

Das Phänomen der Schadenfreude scheint auf dieser Art von geglückter Ersparnis zu beruhen. Der Unfall hat stattgefunden, aber wir nehmen ihn allenfalls als gedämpfte Kollision wahr. Motto: Wenn man darüber lachen kann, wird es schon nicht so schlimm gewesen sein. Obwohl sich die Schadenfreude am Leid der anderen orientiert, vermag derjenige, der sie erlebt, sie nicht zuletzt als Erleichterung verspüren.

Gelten diese Bemerkungen auch für US-Präsident Donald Trump? Während eine Covid-19-Erkrankung für die meisten Betroffenen eine enorme Belastung des Organismus zur Folge hat, scheint sie für Trump nur ein weiterer Anlass zu sein, seine exzessive Ichbezogenheit zum Ausdruck zu bringen. Die Schadenfreude über das Schicksal von einem, der bisher nicht gerade durch Empathie für das Leid anderer aufgefallen ist, wird als gerechte Strafe angesehen. In diesem Sinne fungiert Schadenfreude als moralisches Regulativ.

Schadenfreude gilt als komplexes Gefühl, aber neurologisch ist die Sache vergleichsweise einfach. Wenn wir uns über das Missgeschick eines anderen freuen, wird in unserem Gehirn das Belohnungssystem aktiviert. Ein anhaltendes Vergnügen, das belegen die Pannen-Shows ganz gut, vermag aus der Schadenfreude nicht hervorzugehen. Die Freude über das Leid der anderen erweist sich alsbald als fades Erlebnis.

Im Fall von Donald Trump ist die Geschichte bereits fortgeschritten: Auf das Gelächter folgt die bange Frage, ob er in der Lage sein wird, politisches Kapital daraus zu schlagen.