Der römische Kaiser Gaius Caesar Augustus Germanicus (12-41), genannt Caligula, galt vielen Geschichtsschreibern durch die Jahrhunderte als geisteskrank. Seneca beschrieb ihn als Sadisten, Flavius Josephus charakterisierte ihn als wahnsinnig.

Erst in jüngerer Zeit hat sich eine ganz andere Lesart durchgesetzt, die Caligula, der den römischen Senat verspottete und sein Pferd zum Konsul erhob, als zynischen Machtmenschen begreift, der mit Kalkül und Bedacht regierte. Caligula war demnach ein Techniker der Macht, der seine Umgebung in ein diabolisches Spiel mit dem Ziel des unbedingten Machterhalts verstrickte. Dem Kaiser zu nahezukommen, konnte lebensgefährlich sein. Hatte jemand gelobt, sein Leben für die Genesung des Herrschers zu geben, so konnte es geschehen, dass der genesene Caligula auf die Einhaltung des Gelübdes pochte. Dem Kaiser beliebte es, eine redensartliche Geste wörtlich zu nehmen.

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