Der britische Booker-Literaturpreis geht in diesem Jahr an den gebürtigen Schotten Douglas Stuart für seinen Roman „Shuggie Bain“. Er erzählt vom Aufwachsen eines Jungen in Armut mit einer alkoholabhängigen Mutter. Im August 2021 wird der Roman in Übersetzung von Sophie Zeitz bei Hanser Berlin auf Deutsch erscheinen.

Der Roman sei „gewagt, erschreckend und lebensverändernd“, sagte die Jury-Vorsitzende Margaret Busby am Donnerstagabend bei der Online-Zeremonie in London. Nach der Bekanntgabe betonte Douglas Stuart in der Video-Schalte: „Meine Mutter ist in jeder Seite dieses Buches, ohne sie wären ich und das Buch nicht hier.“ Sie starb an den Folgen ihrer Alkoholsucht, als er 16 war. Mit seinem ersten Roman begibt er sich in seine Kindheit im Glasgow der 80er-Jahre zurück. Seit der Jahrtausendwende lebt er in den USA, wo er als Designer unter anderem Kleidung für Ralph Lauren, Calvin Klein und Gap entwirft. Seit einiger Zeit veröffentlicht er Kurzgeschichten, etwa im New Yorker, und arbeitet schon an seinem zweiten Roman.

Aus dem proletarischen Milieu Glasgows

Großen Einfluss auf sein Schreiben habe der ebenfalls aus Glasgow stammende Autor James Kelman gehabt, sagte Stuart in einem Interview für die Booker-Webseite. Als er dessen Roman „How Late It Was, How Late“ las, habe er zum ersten Mal seine Leute und deren Sprache in der Literatur gefunden. Der wegen des Dialekts schwer übersetzbare Roman aus dem proletarischen Milieu Glasgows kam auf Deutsch erst 2004 in der Verlagsbuchhandlung Liebeskind heraus. Roman Kelman wurde 1994 damit der erste schottische Bookerpreis-Gewinner, Douglas Stuart ist nun der zweite.

Die wichtigste Literaturauszeichnung Großbritanniens ist mit 50.000 Pfund (knapp 56.000 Euro) dotiert. Ausgezeichnet werden Autoren, die auf Englisch schreiben und deren Werke in Großbritannien erscheinen. Im vergangenen Jahr war der Preis ausnahmsweise gleich an zwei Autorinnen gegangen. Ausgezeichnet wurden die Britin Bernardine Evaristo und die Kanadierin Margaret Atwood. Evaristo erhielt den Preis für ihr Buch „Girl, Woman, Other“, das unter dem Titel „Mädchen, Frau etc.“ Ende Januar auf Deutsch im Tropen-Verlag erscheint, Atwood für den Roman „The Testaments“ – übersetzt als „Die Zeuginnen“ erschienen. Der Preis wird seit 1969 vergeben und war bis 2013 Autoren aus dem britischen Commonwealth und Irland vorbehalten, deren Romane in Großbritannien veröffentlicht wurden. Seit 2014 sind auch Autoren aus anderen englischsprachigen Ländern zugelassen.