Die Fernsehserie „Downton Abbey“ ist ein Holodeck des Trostes für jene, die sich – gerade im Herbst – aufs Land sehnen und in diesem Zusammenhang auch gegen Ländereien und womöglich einen regelrechten Landsitz nichts einzuwenden haben. Warum nicht England, sagen wir Anfang des 20. Jahrhunderts? Und ohne leugnen zu wollen, dass es gesellschaftliche Umbrüche gibt, könnte hier, auf unserem ländlichen Adelssitz die Welt noch in Ordnung sein, oder nicht?

Diener und Herrschaft könnten sich wie Lamm und Löwe im Paradies milden Blickes aneinander weiden, und die Sorgen – seien es Flecken auf dem Service, falsche Kleider, unpassende Liebschaften oder noch Ernsteres – wären zum Ende jeder Folge, spätestens der Staffel geteilt und verkraftet. Das wäre schön. Ein warmes Fußbad für den gestressten Geist.

Das Film-Schloss Downton Abbey ist eigentlich Highclere Castle

Das war auch schön, sechs distinguierte Staffeln lang, von 2010 bis 2015, und dazu das herrlich englische Englisch im Original! Und die exquisite Ausstattung! Gedreht wurde in Highclere Castle südwestlich von London, ein Schloss, das im echten Leben vom 8. Earl von Carnavon und der dazugehörigen Countess bewohnt wird.

Die Herrschaften in der Serie sind indessen ein 7. Earl und die Countess von Grantham mit ihren drei Töchtern Mary, Edith und Sybil, wobei Letztere schon in der dritten Staffel stirbt und der Familie neben einer neugeborenen Enkelin einen republikanisch gesonnenen Iren als Schwiegersohn hinterlässt, den ehemaligen Chauffeur des Anwesens, in den sie sich unkonventionellerweise verliebt hatte.

Von 1912 bis 1925 zieht sich die von (dem adeligen Schauspieler und Oberhaus-Mitglied) Julian Fellows ersonnene Geschichte der Serie, die mit zahlreichen Emmys und Golden Globes ausgezeichnet wurde, insbesondere für Maggie Smith in der Rolle der wunderbar hoheitsvoll-zynischen Mutter des Earl.

Und jetzt geht es weiter. Alles, was gut, aber zu Ende ist, muss ja immer noch ein bisschen weitergehen ... Hier im Kinofilm-Format. Das Jahr ist 1927, das zentrale Ereignis ein Besuch des Königspaares George V. mit seiner Frau Mary, die Serien-Besetzung in Salon und Küche ist nahezu komplett, und natürlich wird zu diesem aufregenden Anlass auch der Butler Carson von der jungen Lady Mary wieder aus dem Ruhestand geholt. In Großbritannien lief der Film am 13. September an, in den USA startet er am Freitag, bei uns am Donnerstag.

Die Bewohnerin des echten Downton Abbey, die Countess of Carnarvon, die einen Blog betreibt, war zur Londoner Premiere eingeladen, und dank des Sponsors, wie sie schreibt, durften auch einige der echten Diener mitkommen. Sie vergleicht das Ereignis – Ladyschaften denken in größeren Bögen – mit dem Medienrummel, den es schon 1922 um Highclere gegeben hatte, als der damalige Lord Carnavon die von ihm finanzierte Ausgrabung feierte, bei dem das Grab von Tutenchamun entdeckt wurde.

Vom Film selbst, besonders von der Insbildsetzung des Schlosses ist die Countess naheliegenderweise begeistert: „Golden, erbaulich und beruhigend unverändert“ erschiene der Bau auf der Leinwand, schreibt sie auf ladycarnavon.com sehr richtig. Und im Grunde ist das schon die ganze Idee der Geschichte, wie die Kammerzofe Anna (Joanne Froggatt) ihrer an ihrer Mission modern zweifelnden Lady Mary (Michelle Dockery) am Ende des Films versichert: dass die Aufrechterhaltung des Schlossbetriebs der dortigen Gesellschaft (dem Dorf, der Dienerschaft) das Herz gibt, das sie brauche, und niemals enden dürfe. Lebensklugheit, Sklavenmoral oder einfach nur Kitsch?

Der Einstieg des amerikanischen Regisseurs Michael Engler, der schon einige TV-Episoden von „Downton Abbey“ inszenierte, hat Schwung. Man sieht, wie eine Hand die königliche Unterschrift trockenrollt, wie ein Brief zum Sekretär, zum Postamt, mit dem Dampfzug der Royal Mail ins Land hinaus, den ganzen Weg bis nach Downton Abbey bis aufs Silbertablett des Butlers Barrow und von dort ins Frühstückszimmer der ländlichen Herrschaft gelangt. „Oh Himmel! Der König und die Königin erweisen uns die Ehre“, ruft Hugh Bonneville als Earl, und die Aufregung nimmt ihren Lauf, dazu die typische streicherunterlegte Klaviermelodie von John Lunn, die klingt, als poliere jemand unentwegt Kristall.

Die Diener sind zum Äußersten entschlossen

Die Handlung soll nicht gespoilert werden, aber unsere örtliche Dienerschaft ist bei der Verteidigung ihrer Ehre gegen die überhebliche königliche Mannschaft zum Äußersten entschlossen, der Republikaner Tom verdient sich den doppelten Dank des Königs, ein bis zwei Ehen werden gerettet, eine weitere bahnt sich an, auch schwule Bande werden geknüpft, ein Familiengeheimnis kommt ans Licht, eine Diebin wird überführt, der Tod klopft an die Tür, und dabei ist der Rasen stets tadellos, sitzen die Frisuren wie Helme, und schnurren die Szenen ab wie ein von Hand aufgezogenes Uhrwerk.

Beziehungsweise wie eine auf Kinofilmlänge geratene Episode. Die Erzählbögen sind serienhaft kurz, aber ohne die ruhespendende Möglichkeit der Fortsetzung, die pointendestillierenden Dialoge denken drohendes Umschalten unnötigerweise immer mit und keine Szene lässt eine Frage offen. Wer’s mag, wird es überall mögen, haben die Macher vielleicht gedacht. Aber das stimmt nicht. Ein Fußbad ist etwas für zu Hause. In der Öffentlichkeit geniert es einen doch irgendwie.