Unauffällig, aber entschlossen huscht Dr. Ketel (Ketel Weber) durch die Straßen von Berlin-Neukölln. Er ist Guerilla-Mediziner, der den Bedürftigen nach dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems erste Hilfe und Medikamente bietet. Linus de Paolis Regiearbeit „Dr. Ketel – Der Schatten von Neukölln“ spielt in der nahen Zukunft; die Geschichte ist von einer düsteren, entrückten Endzeitstimmung umweht. Dafür sorgt neben Amanda Plummer in der Rolle einer Fahnderin, die Ketels illegalem Treiben auf der Spur ist, auch die filmische Gestaltung. De Paoli hat „Dr. Ketel“ nämlich in Schwarz-Weiß gedreht, was dem Film eine quasi existenzialistische Komponente verleiht.

Schwarz-Weiß-Filme liegen voll im Trend. Aktuell entscheiden sich viele Regisseure für die zwar nicht farblose, aber doch unbunte Bildgestaltung. Nun gab es zwar auch in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder bemerkenswerte Schwarz-Weiß-Produktionen, doch meist bei historischen Stoffen. Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ (1993) oder George Clooneys „Good Night. And Good Luck“ (2005) verzichteten ebenso auf Farbe wie Michael Hanekes Drama „Das weiße Band“ (2009) und die Stummfilm-Hommage „The Artist“ (2011) von Michel Hazanavicius. Stärker stilisiert haben auch Genre-Filme mit dem weitgehenden Verzicht auf Farbsequenzen gespielt: „Sin City“ (2005) von Robert Rodriguez und Frank Miller kopiert die Reduktion der Comic-Vorlage auf Schwarz, Weiß und gelegentliche Farbkleckse (Blutrot, Goldgelb) sehr gelungen; Frank Millers „The Spirit“ (2008) nimmt sich dieser Ästhetik eher halbherzig an. Gelungener ist Tim Burtons animierter „Frankenweenie“ (2012), der in Schwarz-Weiß feinen, nostalgischen Reiz gewinnt.

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