Auch Clowns sind in „mauerland-borderland“ nicht sicher vor der Polizei.
Foto: Jan Pauls

BerlinHaben Sie (krankhafte) Angst vor Clowns? Dann ist dieser Text und das hier beschriebene Theaterstück eher nichts für Sie. Die Drehbühne Berlin versucht in der ufaFabrik in Tempelhof nämlich derzeit, die deutsch-deutsche Teilung und die dazugehörigen Grenzerfahrungen aufzuarbeiten – aus der Perspektive einer Clownsfamilie. Nach mehr als 14 Jahren Entwicklungszeit feierte das Stück „mauerland-borderland“ pünktlich zum 30-jährigen Einheitsjubiläum am 3. Oktober Premiere am ehemaligen Grenzübergang Marienborn. Es wird noch bis Sonntag in Berlin gezeigt. Regie führten gemeinsam Lorenz Chr. Köhler und Nanda Ben Chaabane.

Die Handlung ist schnell erzählt. Eine vierköpfige Clownsfamilie wird plötzlich durch eine Mauer getrennt. Der Vater mit einem Kind auf der einen, die Mutter mit dem Geschwister auf der anderen Seite. Die Kinder wachsen getrennt auf, kommunizieren jedoch über verbotene und geheime Wege immer wieder zur anderen Mauerseite hinüber. Dabei werden sie streng von der jeweiligen Staatspolizei überwacht und diszipliniert. Alle vier Clowns passen sich immer wieder an, erdulden Züchtigungen – bis ein Familienmitglied die Flucht über die Mauer riskiert und die Tragödie ihren Lauf nimmt.

Auf den ersten Blick wirken die bunten Clownsgesichter, fiependen Clownsgeräusche – im ganzen Stück wird nicht gesprochen – und die Clownsmanier, euphemistisch gesagt, suspekt und unfreiwillig komisch. Gleich zu Beginn etwa gibt es eine ausufernde Geburtsszene: Die ist so übertrieben exzentrisch und voll närrischem Gequietsche, dass man sich einfach geniert. Und irgendwie auch peinlich-berührt kichern muss.

Auf den zweiten Blick merkt das Publikum aber: Auch wenn in dem Stück nicht geredet wird, bleibt es keineswegs wortlos, sondern es ist eine lautstarke Verteidigung für offene Grenzen und für Hilfsbereitschaft über Ländergrenzen hinweg  – ein hochaktuelles Thema. Obwohl vor über 30 Jahren die deutsch-deutsche Mauer eingerissen wurde, gibt es heute etwa fünfmal so viele Grenzmauern wie 1989. „mauerland-borderland“ liefert in diesem Sinn nicht nur ein Zeugnis der heimischen Geschichte, sondern macht auch auf ein weltweites Phänomen aufmerksam.