Ein Begleiter fürs Lesejahr könnte Nico Bleutges Band „Drei Fliegen“ sein, in dem der 1972 geborene Lyriker zwar vornehmlich auf Gedichte und gelegentlich auf Prosa schaut. Zugleich ist das aber eine Schule der Wahrnehmung und Erinnerung: Es zeigt sich von Text zu Text klarer, dass weite Teile des Denkens und Nachdenkens über Literatur auf Wahrnehmung und Erinnerung basieren. Und umgekehrt das Nachdenken diese in Gang setzt.

„Drei Fliegen“ ist voller Epiphanien, die ansteckend wirken können, und wenn sie es nicht tun, sind sie immer noch interessant genug. Das reicht vom Treppenhaus als einem der „magischen Orte“ der Kindheit (Lutz Seiler) bis zu einem Unfall, an den sich Bleutge haargenau erinnert und über den er dennoch (gerade deshalb) nicht schreiben kann. Fulminant der Text (an sich eine Erzählung) über die abgrundtiefe Beschämung, von den Großeltern getadelt zu werden, weil man sich nicht bedankt hat.

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