Die Xanthippen aus der Inselgalerie in der Petersburger Straße setzen im überbordenden Berliner Ausstellungsbetrieb wieder mal ein Zeichen: Sie holten die Bilder dreier starker, jedoch viel zu früh verstorbener Malfrauen aus dem Osten der Stadt an ihrem vom Verein Xanthippe betriebenen und der weiblichen Kunst gewidmeten Ausstellungsort zusammen. Und sie gaben dem postumen Treffen der Freundinnen den Titel „Wieder im Licht“.

Es ist die dritte Folge des Versuchs, inmitten der schieren Bilderflut Malpositionen, die nicht in den gegenwärtigen Mainstream einfließen, vor dem Vergessen zu bewahren. Diesmal sind es die Gemälde und Zeichnungen von Brigitte Handschick (1939-1994) Christa Böhme (1940-1991) und Brigitte Fugmann (1948 –1992).

Fast vergessen in der Nachwendehast

Die Todesdaten besagen, dass alle drei, obwohl damals noch jung genug für die im gerade wiedervereinten Berlin gleichsam explodierende Kunstszene, nur knapp in die neue Zeit gekommen sind. Die große Tragik besteht darin, dass Hast, Turbulenz und Kunstmasse der letzten zwei Jahrzehnte ihr Werk – unverdienterweise – nahezu unbeachtet ließen.

Nun aber wird nachgeholt. Diese drei Malerinnen waren typische Protagonistinnen der sogenannten Berliner Schule. Ein Begriff, den man heute mit dem Kino verbindet, der aber in den 1970er Jahren schon für die Malerei galt. Kunstkritiker wie Lothar Lang hatten die Zuschreibung erfunden, etwa für Maler wie Harald Metzkes, Wolfgang Leber, Dieter Goltzsche, Strawalde, Lothar Böhme, Hans Vent, Manfred Böttcher – als Etikett für einen bestimmten Stil.

Berliner Schule, das stand für einen dem Alltagspolitischen, den Ideologien abgewandte kultivierte Malkultur, für sinnliche Reflexion, konsequente Innerlichkeit, in der es nur um Kunst ging. Paul Cézannes Kunst war sozusagen die Orientierung.

Ohne ideologisches Gedöns

Die malenden, zeichnenden Frauen jener Ostberliner Szene, die sich ebenso wie ihre männlichen Kollegen und Gefährten allem ideologischen Gedöns, sozialistischen Realismus-Dogmen und agitatorischer Kunst widersetzten, wählten stattdessen mit ihren Motiven lieber das Arkadische, Mythologische: ortlose Landschaften, Interieurs, stille, unaufgeregte Gefilde. Nur standen sie damit eher im Schatten, hatten zwar Ausstellungen und Sammler, aber ansonsten arbeiteten diese drei verwandten Seelen ziemlich abseits des DDR-Kunstbetriebs.

Brigitte Handschick, geboren in Berlin, hatte vor 1961 an der Kunstschule in Charlottenburg studiert. Jäh brach ihre Ausbildung durch den Bau der Mauer ab. Da war ein tiefer Riss in ihrem Leben, in ihrer Kunst, wohl darum war sie in diesem Malerinnen-Trio die Expressivste, Sperrigste.

Mit einem naturgegebenen Farbgefühl setzte sie Blau-, Braun- und Grüntöne auf die Leinwand, spannte entschlossene zeichnerische Strukturen in die daraufhin tiefenwirkende Fläche. Und zugleich steckt in ihren der Welt abgekehrten Motiven Widerständiges, eine schwer beschreibbare Melancholie, eine empfindsame Stimmung von Einsamkeit, Abschied und Verlust. Die Frage „Was ist malbar?“ wurde von ihr nicht mit literarischen Themen beantwortet, sondern es galt nur das visuell Wahrnehmbare. Und die Poesie des Augenblicks.

Verstreuter Nachlass

Brigitte Fugmann, gebürtige Thüringerin und ausgebildet an der Kunsthochschule Weißensee unter anderem bei Arno Mohr, war die Fröhlichste unten den Dreien, leidenschaftlich, sprunghaft, unruhig. Und sie hatte eine starke Neigung zur Musik, zu Rhythmen, die in ihrer Malerei zu entdecken sind. Sie begeisterte sich für wesenhafte, charaktervolle Porträts; so malte sie die Sängerin Sanije Torka, deren Lebensgeschichte die Vorlage war zu dem unvergesslichen Defa-Film „Solo Sunny“ von Konrad Wolf , 1980.

Geradezu matisse-haft farb- und lebensprall sind Fugmanns Landschaften, sinnlich-kraftvoll die wohl an Beckmann orientierten Badeszenen. Immer begeisterte sie sich am Sichtbaren, nie am Ausgedachten. Ihr Nachlass ist verstreut, teils verschollen, so war es für die „Xanthippen Eva Hübner, Gabi Ivan und Kathrin Schrader ein Recherche-Puzzle, die Bilder zu beschaffen.

Magische Porträts

Christa Böhme, in Berlin geboren, studierte an der HdK in Westberlin, zog erst nach Hamburg und dann, 1964 in den Osten. Wegen der Liebe. Sie heiratete den Maler Lothar Böhme. Mit ihr − sie spielte Klavier − bekam die Pankower Künstlerszene eine apollinische Klangbildnerin, deren Interieurs, Stillleben und fast magischen, introvertierten Porträts aus strengschönen, rhyhtmischen und wie durchsichtigen Farbstrukturen bestehen.

Einige ihrer spröden Bilder, die alles Erzählerische verweigern und für die der Begriff „Cézannismus“ im Besonderen zutrifft, fanden Eingang in die Nationalgalerie. Wird man sie in der künftigen Galerie der Moderne an der Potsdamer Straße dann aber auch mal sehen?

Inselgalerie, Verein Xanthippe, Petersburger Str. 76 A (Friedrichshain). Bis 4. August, Di–Fr 14–19/Sa 13–17 Uhr. Tel.: 2842-7050, www.inselgalerie-berlin.de