Bob McCarron gibt im Dschungelcamp auch diesmal wieder die Kunstfigur Dr. Bob. Sein Privathaus ist selbst von Buschbränden bedroht.
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SidneyObwohl er selbst gar nicht da war, hat der Schauspieler Russell Crowe in der Nacht zum Montag für einen emphatischen Augenblick bei der Verleihung der Filmpreise Golden Globes gesorgt. Von seiner brennenden Heimat Australien aus sandte er einen Appell für mehr Klimaschutz nach Hollywood, der von seiner Kollegin Jennifer Aniston verlesen wurde. „Machen Sie sich nichts vor, die Tragödie, die sich in Australien abspielt, hat mit dem Klimawandel zu tun.“   

Der neuseeländische Schauspieler, der in Australien lebt, sei in seiner Heimat geblieben, um „seine Familie vor den zerstörerischen Buschfeuern zu schützen“, teilte Aniston dem Galapublikum mit. In seiner Botschaft hatte Crow dazu aufgefordert, auf „der Basis der Wissenschaft“ zu handeln und „unseren Planeten zu respektieren“. Die Frage nach dem Respekt wird derzeit auf ganz andere Weise von einer Fernsehproduktion im australischen Staat New South Wales aufgeworfen.

Dschungelcamp 2020: Gaskocher statt Lagerfeuer

Von Freitag an soll einmal mehr das RTL-Reality-Format „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ live und in täglichen Zusammenfassungen gesendet werden. Das sogenannte Dschungelcamp findet bereits zum 14. Mal statt, aber nie zuvor sind die Zuschauer derart konkret mit den örtlichen Gegebenheiten des Drehortes im australischen Dschungel konfrontiert worden, der etwa 200 Kilometer von der Küstenmetropole Sidney entfernt ist. Anstelle der  boulevardesken Begleiterscheinungen, unter denen jeweils vor Sendungsstart die Kandidaten vorgestellt werden, die in trashigen Dschungelprüfungen hart bis an die Grenze des Erträglichen geführt werden und das allgemeine Ekelempfinden herausfordern sollen, geht es diesmal um umweltpolitische Erklärungen und ethische Beschwichtigung.

Die Show finde unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt, ließ RTL anfang der Woche mitteilen. Man verfüge über ein Alarmsystem, außerdem würden alle Campbewohner darüber informiert, wie sie sich zu verhalten hätten, um einen Brand zu verhindern. Das Rauchen von Zigaretten soll nur unter Einhaltung strenger Camp-Regeln möglich sein, und anstelle eines gemütlichen Lagerfeuers sollen eigens bereitgestellte Gaskocher unkontrollierten Funkenschlag gar nicht erst aufkommen lassen.

Dr. Bob: Existenzielle Nöte und Gewissensbisse

Die Macher des Dschungelcamps geben sich problembewusst und führen über die Kunstfigur des Camp-Arztes Dr. Bob, der in der Serie von Beginn an als eine Art neutraler Spielleiter fungiert, die Betroffenenperspektive ein. Der 69-jährige Bob McCarron, der eigentlich Spezialeffektkünstler, Maskenbildner und ausgebildeter Sanitäter ist, lebt selbst im Brandgebiet und hat in Interviews beklagt, angesichts der dramatischen Brandentwicklung um den Verlust seines Privathauses fürchten zu müssen. Eine Absage der Sendung sei für ihn jedoch keine Alternative. Neben ihm würden auch noch viele australische Kollegen ihren Job verlieren.

Erstmals also ziehen existenzielle Sorgen und kaum zu vertreibende Gewissensbisse mit in das Fernsehcamp ein, wo bislang mehr oder weniger prominente Kandidaten bis zur Selbstaufgabe in performative Selbstbehauptungskämpfe in eine Kunstwelt jenseits der Zivilisation geschickt wurden. Diesmal sind unter anderen die Schauspielerin Sonja Kirchberger, der frühere Box-Weltmeister Sven Ottke und Ex-Bundesverkehrsminister Günther Krause mit von der Partie, die sich nun nicht nur die Frage gefallen lassen müssen, warum um Himmels willen sie sich das alles antun.

"Holt mich hier raus" klingt nun ganz anders

Im Raum steht auch der Gedanke, ob es opportun ist, ein lustvoll-gefährliches Dschungelleben jenseits der Regeln des guten Geschmacks zu simulieren, während ein paar Dutzend Kilometer entfernt in den Flammen der Buschfeuer Menschen sterben und erhebliche Teile der Tierpopulation, von der einzelne Exemplare in der Show als Gefahrenquelle und Nahrung dienen, jämmerlich verrecken. Bei RTL wird man sich gewiss einiges einfallen lassen, um das Spektakel umsichtig und womöglich mit entsprechenden solidarischen Aktionen zu begleiten. Aber schon der Titel der Sendung bleibt angesichts der Lage in australischen Busch bar jeden ironischen Augenzwinkerns.