Dschungelcamp - Tag 9: Maren Gilzer im Buchstaben-Alptraum, Walter in Angstzuständen

Abend für Abend sehen sich unsere Autoren Annika Leister, Philip Sagioglou und Martin Weber die neunte Staffel des Dschungelcamps an. In einem Briefwechsel tauschen sie sich täglich über ihre Erlebnisse aus – und schreiben sich ihren Schmerz von der Seele. Folge 9:

Lieber Philip, lieber Martin,

es lebt! Die Gesetze der Mathematik gehen auf: Man ziehe die beiden langweiligsten Personen von einem Haufen von Langweilern ab – und herauskommt: weniger Langeweile. Das Camp der Nörgler, Nichtstuer und Nerver scheint nach dem Abgang von Blanco-Tochter Patricia und Angelina, der Missmutigen, jedenfalls erwacht. Gesundgeschrumpft. Am neunten Tag lieferte es endlich, wonach das Herz am meisten giert: Entblößende Einsichten, unfreiwillig geliefert, die kleine Kratzer im PR-Lack machen. Plus: Ein Ritt auf der Gefühlsachterbahn mit Walter Freiwald. Was wir gelernt haben:

Aurelio: Das Schlaf geht über den Ladies!

Wir wissen bereits: Aurelio, der angebliche Bachelor-Testosteron-Bulle, liebt die Ladies im Camp keinesfalls so sehr wie erwartet – und bei weitem nicht so sehr wie sich selbst. Der italienische Deckhengst ist kaputt, er will seine Aufgabe einfach nicht erfüllen. Stattdessen will er an Tag neun lieber ein Wolf sein. Nicht irgendein Wolf, sondern natürlich der krasseste im Camp.

„Ich bin der Leitwolf!“, verkündet er also am Lagerfeuer. Da sieht Patricia Blanco (die zu dem Zeitpunkt Noch-Nicht-Verabschiedete) den Untergang für alle heraufziehen und will ihr Leben retten: „Waaas für’n Wolf? Ich leit‘ mich selbst.“ Das bringt Aurelio ziemlich durcheinander. Wie soll das funktionieren mit einer Vagina? Und weil bei den meisten unserer Kandidaten zwischen Hirn und Mund eben so gar keine Schranken bestehen, sagt Aurelio: „Du kommst damit nicht klar! Du bist ne Frau, du bist ne Lady!“ Schon ist die Welt wieder im Lot.

Seine fortgeschrittene Geschlechtsteil-Fixierung bringt den Wurm Aurelio bei einer Schatzsuche mit Schandmaul Sara allerdings beinahe in ernsthafte Bedrängnis. Eigentlich wäre alles perfekt: Eine kuschelige Höhle, Käse und Wein, ein Bett für ihn und ein Model, während die anderen im Dauerregen vor sich hinschrumpeln. Kein Wasser, keine Höhe, keine Anstrengung. Nur ein paar Stunden wach bleiben sind gefragt, unter Umständen umgeben vom prüfungsüblichen Getier.

Das, findet der Leitwolf allerdings, ist zu viel von ihm verlangt. Nur sagen kann er das diesmal nicht, schließlich trägt er hier den Penis. Zum Glück hat er Sara dabei. Die lässt sich kurz eintrichtern, was an dieser Mini-Prüfung jetzt so gar nicht geht – und schmeißt hin. Für Sara gilt damit wohl das Tanja-Tischewitz-Prinzip: „Ich hab es gern, die Marionette eines Mannes zu sein.“ Alice Schwarzer, die grade verständnisvolle Kommentare zu Pegida absondert, sollte sich lieber mal auf die wichtigen Brennpunkte in der Republik konzentrieren.

Skandal um Maren

Was Pelé für den Fußball und Van Gogh für die Kunst, das, so kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, ist Maren Gilzer für die Buchstaben. Nicht für Worte, Sätze, die Sprache an sich. Aber für die Attraktivität des einzelnen, fragmentierten Buchstaben hat Gilzer in schicken Kostümen und mit bombastischen Beinen einiges geleistet. Geredet hat sie dabei freilich selten – sie war eher damit beschäftigt, den duseligen Kandidaten die Daumen zu drücken, wie eine Taubstummen-Dolmetscherin auf Crack herumzugestikulieren und eben zu drehen, drehen, drehen. Gut zu beobachten ist das in einer der frühen Sendungen „Glücksrad“, stilecht im End-80er-Gewand, hier (ab 3:30 Minute):    

Hätte Gilzer damals auch sprechen dürfen, wäre vielleicht schon früher aufgefallen, was jetzt das Dschungelcamp offenbaren musste: Die Buchstabenfee hat ausgemachte Probleme mit Buchstaben. An ein drehendes (Un-)Glücksrad gegurtet, den Kopf immer wieder ins Wasser getunkt, soll Gilzer Worte sezieren, die so schrecklich fremd sind: Dschungelcamp, Zietlow, Känguru.  

Wie eine Tanja Tischewitz hängt sie, kurz vorm Heulkrampf, da und sagt ganz kläglich: „Ich kann das so schlecht. Ich habe Angst vorm Buchstabieren.“ Wenn Maren bisher keine wiederkehrenden Alpträume hatte – ich glaube, jetzt hat sie sie.

Denn das Schlimmste daran, das merkt man auch Maren an: Es ist einfach so schrecklich peinlich, wenn man den Stoff aus der dritten Klasse nicht beherrscht. Und bisher hatte sich Gilzer redlich Mühe gegeben, so perfekt zu erscheinen, dass es schon bieder wurde. Hiermit grandios gescheitert, hoffentlich sind damit die Dämme endgültig gebrochen. 

Walter mit dem Genfehler

Walter brachte uns einiges bei in dieser Folge: Dass Hypochonder paranoid werden, wenn ihnen die Krankheiten zum simulieren ausgehen, zum Beispiel. Der Walter befürchtete nämlich am neunten Tag, dass ihm bei Nacht von der Maren ein "Messer in den Rücken" gerammt werde. Und bei der Vorstellung fing der Walter an, bitterlich um sich zu weinen.

Was wir noch von Walter lernten? Dass Gewalt in der Erziehung verheerende Folgen hat. "Meine Eltern haben mich geschlagen", versuchte der Walter nämlich seine Garstigkeit zu erklären, um seine Mitbewohner milde zu stimmen. Und: "Ich bin irgendwie ein Genfehler." Letzterem möchte man zwar instinktiv zustimmen. Es nur auf die Gene zu schieben wäre dann aber auch wieder zu leicht.

Benjamin Boyce: Wo nix is...

Nachdem er gefühlt zum ersten Mal überhaupt im Bild und sogar einmal mit der grandiosen Beschwerde "Mein Gesicht wird nass" zu hören war, fliegt Benjamin Boyce als nächstes raus. Manche Menschen bleiben lieber stumm.

Es geht bergauf! Ich hoffe es ganz feste!

Eure Annika