Köln - Die Zusammenfassungen von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ gibt es bei uns als Brief. Weil: drüber schreiben und sich austauschen hilft. Annika Leister, Martin Weber und Philip Sagioglou wechseln sich ab mit ihrer Dschungel-Kritik.

 Liebe Annika, lieber Martin,

vollkommen fertig wende ich mich heute an Euch. Warum? Der Wendler ist raus! Das Camp verliert den prominentesten aller nicht-prominenten Teilnehmer. Es sei „eine unglaublich lange Zeit“ gewesen, sagte der Schlagermann und hat diese Einschätzung sicher exklusiv. Er habe gemerkt, dass er „immer schwächer“ werde und die „hygienischen Bedingungen grenzwertig“ seien. Und damit war im Dschungel eben nicht zu rechnen.

Was meint Ihr dazu, meine lieben Brieffreunde? Denkt Ihr nicht auch, es könnte möglicherweise, vielleicht, eventuell Kalkül sein? Schließlich bringt der Wendler in wenigen Tagen eine neue Platte auf den Markt. Und wer weiß, vielleicht kommen 20 oder gar 30 Menschen mehr zur nächsten „Kirmes-Eröffnung“, die er mit seinen Hits bereichert (bearmt?), jetzt, wo er Schlagzeilen produziert? „Er will die Presse für sich haben“, sagte Mola Adebisi jedenfalls, als er den Wendler gemeinsam mit Winfried Glatzeder ins Kreuzverhör nahm. Beide sind sich sicher: Das ist eine PR-Nummer. Ich bin mir sicher: Die Herren liegen damit nicht allzu weit daneben.

Hinzu kommt, dass derdiedas Wendler möglicherweise gepeilt hat, dass ersiees nicht einmal beim „Dschungelcamp“ der Hauptdarsteller ist. Dass andere Charaktere das Format besser bedienen als er. Ich denke an Ex-Pornoqueen Melanie Müller, an meinen Geheimfavoriten auf die Krone: Jochen Bendel, oder – und damit kommen wir zu den wirklichen wichtigen Dingen: Laaaaaaarissa.

Zwei Grippen habe ich im vergangenen Jahr ausschwitzen müssen, doch mein Zustand hat sich jeweils am vierten Tag merklich verbessert. Wieso nur kann ich in diesen finsteren Tagen keine Grippe haben? Warum muss es Larissaphobie sein? Seit Freitag trage ich es nun mit mir herum, und noch immer weiß ich nicht weiter.

„Man teilt die Gefühle der Namensgeberin.“

Auch die zuverlässigsten aller Ratgeber lassen mich im Stich. Kein Wikipedia-Eintrag, der mir sagt, wie ich mich zu verhalten habe. Welche Spätfolgen auftreten können. Welche Medikamente es gibt. Nein, es findet sich beim Durchforsten der Suchmaschinen nicht einmal die übliche Webseite, die mir (unabhängig aller Symptome) verrät, dass ich eine unheilbare Krankheit habe. Die Larissaphobie – sie ist das nächste große Rätsel der Menschheit. Und, ganz ehrlich, meine Freunde: Ich fühle mich allein gelassen. Und wie ich das hier schreibe, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Die erste Auswirkung dieser grausamen Krankheit! Man teilt die Gefühle der Namensgeberin. Ist es Euch auch schon so gegangen? Was sollen wir nur tun?

Larissa (im Folgenden auch „Nerv-Tröte“ genannt) hat sich am vierten Tag im Dschungelcamp ebenso allein gefühlt wie zuvor. Wieder hatte sie eine Prüfung zu absolvieren. Am vorherigen Tag, das können Annika und ihr anonymer Mitgucker mit dem Pseudonym „Pete“ bestätigen, hatte sie sich ja tatsächlich ganz… sagen wir: ordentlich angestellt. Gute Vorsätze also? Natürlich nicht. Gestern hat sie, was ihr Engagement während der Prüfungen angeht, einen Rückfall erlebt. Wobei man sich fragen muss, wie weit man zurückfallen kann, wenn man sich nicht wirklich fortbewegt hat. Aber wer kann es ihr verübeln? Eine weiße Stretch-Limousine, eine Flasche Champagner darin. Nur logisch, dass sie sich plötzlich fühlte, als werde sie über den Broadway zur Fashion Week chauffiert. Von den Kakerlaken, den grünen Ameisen, den Fleischabfällen und dem Schleim halt mal abgesehen.

Larissa hat den Champagner also geöffnet und – nein, sie hat die Brause nicht gleich getrunken, sondern zunächst einmal fröhlich im Innenraum des Wagens damit herumgespritzt, als hätte sie gerade ein Formel-1-Rennen gewonnen. Dabei startet die Saison doch erst im März, Larissa. Na ja, sie hat sich die Brause dann jedenfalls genüsslich in den Mund laufen lassen. Und später, als der Durst gestillt war, hat sie sich mit dem feinen Tropfen den Schleim und das Getier vom Rücken gespült. „Ich glaube ich bin fertig. Drei Sterne ist besser als nichts“, sagte sie hinterher. Und wenn wir einmal jegliche soziale und moralische Ebene bei der Betrachtung dieser Aussage ignorieren, dann stellen wir fest: Rein sachlich hat sie damit sogar recht. Nerv-Tröte hat etwas Logisches von sich gegeben. Leute, ich kann nicht mehr.

Ich möchte deshalb gar nicht weiter über Larissa reden respektive schreiben. Schließlich gibt es auch noch andere Promis (hi hi) im australischen Ureinwandererwald (und schon wieder bin ich gedanklich bei Larissa - diese verdammte Phobie).

Gestern ist es aber Julian Stöckel gewesen, der mir den Appetit geraubt hat. Ich muss an dieser Stelle gestehen: Ich hatte noch vor wenigen Tagen keine Ahnung, dass dieser Mensch existiert. Überhaupt, wenn wir schon mal dabei sind, wird es Zeit für ein umfassendes Geständnis: Ich habe das Dschungelcamp überhaupt noch nie verfolgt. Ich war einfach nur einer jener Menschen, die mehr Vorurteile gegen das Format hatten als gegen eine Liebeskomödie mit Til Schweiger. Ich war nicht mal einer, der sagt, er würde es nie schauen, und sich dann nachts, wenn alles schläft, doch heimlich vor den Fernseher hockt, um Winfried Glatzeder bei einer seiner berühmten Waschsessions zuzusehen. Nein, so war ich nicht. Nach meinen ersten Tagen mit dem Camp muss ich jedoch gestehen: Es ist gut produzierter Trash. Als Zuschauer bekommst du, was du bestellst. Und während der ersten drei Tage war ich auch tatsächlich überrascht, wie zivilisiert es – abgesehen von L. – zugegangen ist.

„Mich persönlich hat all das, da bin ich ehrlich, eher verstört.“

Dann kam Tag vier, und ausgerechnet heute ist es an mir, unsere Korrespondenz fortzuführen, lieber Martin, liebe Annika. Dabei sah ich mich eigentlich gar nicht der Lage, weil – und damit schließe ich den Kreis, den ich 30 Zeilen zuvor zu zeichnen begonnen habe – Julian Stöckel mich verstört hat. Oder wie ist das; findet Ihr es schön, wenn er – den RTL als „schillernde und extrovertierte Figur“ bezeichnet und sich damit um den Preis für den „Euphemismus des Jahres“ bewirbt – ausführlich und pausenlos darüber spricht, dass er Probleme damit hat, zu… seinen Darm zu entleeren. So geschehen in der gestrigen Ausgabe. Das klang zunächst wie folgt: „Man kann hier in diesem Wurstcamp nicht mal zwei Minuten in Ruhe kacken. Da steht schon die Wendlerin im Weg und erzählt irgendwelche Geschichten von ihrem Pferdehof, die kein Mensch hören will.“ Der Hintergrund: Die Herren Michael Wendler und Gigi D’Agostino, ne, falsch: Marco Angelini haben gedrängelt. Sie mussten pinkeln.

Doch Herr Stöckel, der in den Tagen zuvor eigentlich recht harmlos daherkam, ist durchgedreht. Er ging so weit, folgenden Satz zu sagen: „Ihr seid ja wirklich die letzten Schrott-Promis!“ Ein Schelm, wer nun Böses denkt. Schämt Euch, Ihr beiden!

Der missglückte Stuhlgang jedenfalls verursachte bei Julian fortan krankhafte Allmachtsfantasien: Er hielt sich plötzlich für den Camp-Diktator und, so meine Interpretation, für den Regisseur eines Pornofilms aus den 80er Jahren: „Wenn ich Teamchef bin, dann soll man beim Kacken in Ruhe gelassen werden. […] Wenn ich Teamchef bin, dann weht hier ein ganz anderer Wind. Dann ist nur noch Erotik und Sex angesagt. […] Jeder wird Strafen bekommen. Jeder der einen beim Kacken stört, wird sofort zum…“ –  wir zensieren das Gesagte an dieser Stelle. Es ging um Geschlechtsverkehr, zu dem Julian die anderen zwingen würde, wenn er denn nur der Boss wäre.  Nach all diesem geistigen Dünnpfiff hat er sich noch in Trockensex-Übungen mit Melanie Müller versucht, die (rein akustisch!) nebenbei bemerkt eine weibliche Ausgabe von Michael Ballack ist. Anschließend noch ein wenig Oralsex-Simulation mit einem Kuscheltier, was sonst? Dann: Stöckel Ende.

Ende aber nicht mit dem Toilettenthema. In einer Diskussion zwischen Melanie und Larissa ging es nämlich anschließend und ebenso ausführlich darum, dass Larissa auf die Brille gepinkelt hat. Mich persönlich hat all das, da bin ich ehrlich, eher verstört. Weil ich generell nicht viel davon halte, wenn andere Menschen pausenlos darüber sprechen, wie sie ihre Geschäfte verrichten bzw. nicht verrichten. Diese Augenblicke haben sich ein wenig surreal angefühlt. Hüpfen da wirklich Menschen am anderen Ende der Welt herum und sagen all das? Und meinen es so? Und was würde eigentlich „Pete“ dazu sagen? Hoffentlich hat er die Folge nicht sehen müssen. Falls doch, wirst Du seelische Aufbauarbeit leisten müssen, Annika.

Was sonst noch passiert ist?

Melanie Müller hat Herpes. Und weil der böse (und ernsthaft: insgesamt auch recht egozentrische wirkende) Winfried die Anti-Insekten-Kerzen einfach ausgemacht hat, hat Gabby ziemlich üble Mückenstiche. Völlig überraschend, so im Dschungel. 

Völlig verstört verbleibt

Philip

P.S.: „Auch wenn mich ganz Deutschland jetzt hasst, dann ist das halt eben so“, sagte der Wendler schließlich. Wir möchten ihn deshalb an dieser Stelle beruhigen: Keine Sorge, lieber Wendler, in drei Tagen interessiert sich kein Mensch mehr dafür.