Michelle Hunziker ist beeindruckt – allerdings nicht von den ihr dargebotenen Gesangskünsten, sondern von dem Juror an ihrer Seite: „Der Dieter hat ja ein Herz“, säuselt sie, nachdem sich Bohlen ein freundliches Wort zu einem der Nachwuchsstars abgequält hat. Es ist die dritte Ausgabe von DSDS Kids und die letzte vorm Finale. Bohlen hat es bald geschafft.

Es ist offensichtlich, dass dem Juror, der so gerne aneckt, die Rolle des väterlichen Förderers nicht unbedingt liegt. Die Umarmungen mit den Kindern wirken steif und seine Sprüche sind zwar jugendfrei, aber herzlich sind sie nicht. Bohlen tut sich nicht leicht mit den Mädchen und Jungen, die hier auftreten. Denn nur die wenigsten können das, was sie zum Besten geben, auch einigermaßen gut singen. Als Topkritiker bei „Deutschland sucht den Superstar“ sind dem Juror bei der Kinderausgabe die Hände gebunden.  Das muss ihn ärgern, ebenso wie die Tatsache, dass die Nachwuchsstars nicht einmal wissen, was „ein Pop-Titan“ ist. Es geht doch nicht um einen Pop-Titanen, es geht um DEN Pop-Titanen, den einzigen.

Immerhin:  Michelle Hunziker und Moderator Daniel Aßmann geben ihr Bestes, dem König des deutschen Pops zu huldigen. Dieter hier, Dieter da – sie wissen, wie man den Juror bei Laune hält. Nur diese Kinder - die haben einfach keine Ahnung, auch wenn sie sich pflichtschuldig ihre Umarmungen von der Jury abholen. Für sie ist Bohlen nicht das Ziel, sondern der Weg dorthin. Keiner möchte so sein wie er. Das Idol ist Pietro Lombardi, der Gewinner der letzten DSDS-Staffel. Und da Bohlen über die Auswahl ins Superstarreich wacht wie ein Schlosshund, führt kein Weg an der DSDS-Prozedur vorbei.

Angst vor Bohlens Kritik

Bei Marcel zittern  auch ordentlich die Knie, als er zu „Someone Like You“ von Adele ansetzt. Dass er Angst vor Bohlens Kritik hat, hat der schüchterne Junge schon im Vorfeld erklärt. Das wirft natürlich erneut die Frage auf, wieso er sich das ganze denn antut. Will er diese Casting-Karriere unbedingt? Oder wollen es seine Eltern?

Es ist erschreckend anzusehen, wie die Kinder - das jüngste von ihnen ist gerade sieben Jahre - mit ihrem Aussehen, ihrem Verhalten und der Songauswahl einem Idol nacheifern, für das sie einfach noch zu jung sind.  Das Resultat ist im besten Falle komisch, im schlimmsten Fall wirkt es einfach nur gestellt. Zumindest ruinieren sich viele der Kinder mit einem für ihre Stimmlage völlig unpassendem Lied nicht nur die Chancen aufs Weiterkommen, sondern vor allem ihre Stimme.

„You got me begging you for mercy“ singt die elfjährige Stefani und man kann sie in ihrer Aussage nur unterstützen. Gnade für die Kinder, die hier so erwachsen wirken wollen! Die mit aller Macht herbeigezwungene Kindheitsatmosphäre wirkt dann auch total fehl am Platz: Bunte Bälle, Bienen und Rehe aus Gips schmücken die Bühne – die Mädchen und Jungen wissen offenbar auch nicht, was sie mit dieser Umgebung anfangen sollen.

Drei von ihnen bekommen schließlich das Ticket zum Finale, bei dem aus zehn verbleibenden Kandidaten ein Sieger gekürt werden soll. Für den Rest geht’s ab zum Familienurlaub in den Freizeitpark. Da dürfen die kleinen Stars dann hoffentlich wirklich Kind sein.