Was Casting-Formate angeht, hat Marianne Rosenberg eine klare Meinung. So schien es zumindest, denn in der Vergangenheit hatte die Schlagersängerin für diese kaum ein gutes Wort übrig. „Menschenverwertungsmaschinen“ nannte sie die Shows, bei denen es nur ums Geschäft und den „Voyeurismus unserer Gesellschaft“ gehe. „Da wird nur Einheitsbrei produziert, und den Jurymitgliedern geht es vor allem um sich selbst. Dort findet genau das statt, wogegen ich immer angekämpft habe“, schimpfte Rosenberg etwa 2008.

Nun zählt die Sängerin, bekannt durch den Gassenhauer „Er gehört zu mir“, ab Januar 2014 selbst zur Juroren-Riege. Gemeinsam mit Dieter Bohlen, Mieze Katz, Sängerin der Elektropopband Mia und dem Rapper Prince Kay One richtet sie über das Schicksal der Kandidaten der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS).

Wie das wohl zusammenpasst, mag sich manch einer fragen. Die Besetzung ist von Seiten des Senders durchaus nachvollziehbar. Rosenberg könnte ein neues Publikum für das zuletzt nicht mehr so erfolgreiche Format gewinnen. Schlager liegen im Trend, die letzte „DSDS“-Staffel gewann schließlich die schlagerbegeisterte Beatrice Egli.

Mut machen und Aufmerksamkeit erlangen

Doch was treibt Rosenberg an? Vielleicht will sie als Jurorin einfach nur Gutes tun. „Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man da steht. Schutzlos, ausgeliefert, Panik vor der eigenen Courage“, lässt sie in einer RTL-Mitteilung verlauten. Mit 13 Jahren hat sie selbst an einem Casting teilgenommen. Grund genug, den Kandidaten Mut zu machen und selbstdarstellerischen Juroren und dem „Einheitsbrei“ den Kampf anzusagen. Dazu würde auch das neue DSDS-Motto passen: Kandidaten an die Macht. Die dürfen sich präsentieren, „wie sie wollen“, heißt es bei RTL. Rosenberg rät dem Nachwuchs: „Sei du und versuche nicht, jemand anderer zu sein. Lass dich nicht verbiegen.“

Eine entscheidende Rolle bei Rosenbergs Entscheidung könnte aber auch ihr neues Musikprojekt „Schattenherz“ gespielt haben, das sie mit dem Produzenten Dirk Riegener gegründet und gerade erst vorgestellt hat. Mitte Oktober erscheint das Debüt-Album des Elektropop-Duos. Aufmerksamkeit wird ihr der Auftritt bei DSDS zweifelsohne einbringen.

Natürlich kann das eigentlich kein Beweggrund sein, schließlich darf es bei Castingshows nicht ums Geschäft und die Juroren gehen. Hat zumindest Marianne Rosenberg gesagt.