Die Popsängerin Dua Lipa hat gerade ihr neues Album veröffentlicht.
Foto: Hugo Comte

BerlinMit „Be The One“ und den dazu gehörigen balkanesken Rhythmen stach sie das erste Mal 2015 hevor: Dua Lipa, Englands Antwort auf Rihanna und Lady Gaga. Auf all jene Popstars, die sich mittlerweile zwischen EDM und Pop in sexy Outfits zwängen - und versuchen dabei doch irgendwie herauszustechen. 
Die damalige 19-jährige Dua Lipa war so ein Fall. Sie klang anders, frischer. Bis etliche Singles und 2017 das Debütalbum „Dua Lipa“ folgten. Und sie nicht mehr von den Oras, Biebers oder Gagas zu unterscheiden war.

„Be The One“ von Dua Lipa aus dem Debüt „Dua Lipa“.

VIdeo: YouTube/Dua Lipa

Das mag an den Songwritern und Produzenten liegen, die sich ein Sternchen nach dem anderen weiterreichen, um es durch die Hitmachine zu drücken. Vielleicht ist das alles aber auch nur eine Farce und Lipa hat mittlerweile selbst erkannt, dass ihr zweites Album wieder anders sein muss.

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Dua Lipas Album „Future Nostalgia“ wurde aufgrund der Corona-Pandemie früher veröffentlicht

So geschehen mit „Future Nostalgia“ und einem „Disco, Disco, Dance, Klatsch, Klatsch“- Konzept, das sich auflöst - und in einer Reihe mit den Aerobic-Nummern von Madonna, Kylie und Robyn stellen lässt. In einem Interview mit der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ sagte sie, dass sie sich „ganz aufs Tanzen konzentrieren und das Weinen hintenanstellen“ wolle. Das spricht gleichwohl für das Vorziehen ihres Album-Releases: 

Dua Lipa spricht in ihrer Instagramstory über die aktuelle Coronakrise und ihr neues Album.

Video: YouTube/Gatasnachoco Choconagatas

Ursprünglich war der Termin der Veröffentlichung für „Future Nostalgia“ für den 3. April geplant. Über das soziale Netzwerk Instagram teilte sie jedoch mit, dass sie es spontan um eine Woche nach vorne verschieben will. Die aktuelle Krisensituation bereite ihr Sorge. Sie wolle den Leuten, die leiden, jetzt etwas zurückgeben. Und hoffe, es mache sie glücklich.

Foto: Hugo Comte
Dua Lipa

Die Sängerin kommt 1995 in London zur Welt. Ihre Eltern stammten aus dem Konsovo und zogen 2008 mit der Familie zurück. Im Alter von 15 Jahren machte sie sich dann alleine nach London auf, um Musikerin zu werden - modelte, jobbte in Bars, bis sie auf Marlon Roudette traf, der sie ermutigte Songs auf die Online-Plattform SoundCloud zu stellen. Wenig später wurde sie entdeckt und unterschrieb einen Plattenvertrag bei Warner Bros. Seitdem sind zwei Alben erschienen und sie hat mehrere Preise gewonnen, unter anderem zwei Grammys.

„Physical“ schaffte es in England und in Deutschland unter die Top 20 der Musik-Charts

Elf Songs bietet sie ihren Fans dafür. Das von den 80er-Jahren angehauchte Avantgarde-Electropop-Stück „Physical“ schaffte es sogleich in England und in Deutschland unter die Top 20 der Musik-Charts. Und mit „Don't Start Now“ ist ihr eins ihrer bisher besten Stücke geglückt! Noch besser ist der Song, wenn man ihn live hört, wie etwa bei einem Auftritt in Los Angeles im Jahr 2019. 

Dua Lipa performt live in Los Angeles den Song „Don't Start Now“.

Video: YouTube/Dua Lipa

Wenn sie nächstes Jahr auf Tour geht - die Termine in diesem Jahr wurden aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt - könnte auch „Hallucinate“ für ausgelassene Partystimmung sorgen. Disco-Musik trifft hier auf einen House-Beat und eine Lipa, die mit ihrer Mezzosopranstimme schön holprig singt: „I, I, I, I, I - hallucinate, when you call my name“. Was übersetzt nichts anders bedeutet als: Wenn du meinen Namen sagst, halluziniere ich. Und das ist auch in den anderen Songs meist das Thema: Liebe, Sex - und wie man zu Liebe und Sex kommt. Zu etwas anderem lässt sich womöglich auch nicht besonders gut tanzen ...

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Dua Lipa dreht bei ihren Shows auf. Hier bei den MTV Europe Music Awards 2019.
Foto: imago images/PA Images

Dua Lipa hat mit „Future Nostalgia“ den Pop nicht neu erfunden

Lipa hat weder musikalisch noch textlich den Pop neu erfunden. Nicht, wenn sie dem Trend der achtziger-Jahre-Pop-Welle folgt. Nicht, wenn sie in dem vergleichsweise ruhigen Chor-Stück „Boys Will Be Boys“ von starken und schwachen Momenten singt, in denen Frauen sich gegen übergriffige Männer wehren. 

Dafür hat sie aber etwas anderes geschafft - sie hat gezeigt, dass sie viel mehr als ein Machine-Hit-Wonder ist. Und dass sie die Oras und Biebers manchmal sogar übertrumpfen kann.

Dua Lipa - „Future Nostalgia“

(Urban/ Universal, seit 27. März)