„Duck Dynasty“: Der reaktionäre Entenjäger

Es ist die erfolgreichste Reality-TV-Serie aller Zeiten in den USA. Die erste Folge der vierten Staffel schauten sich im August zwölf Millionen Amerikaner an, knapp zwei Millionen mehr als das allerorten heftige diskutierte Finale der Drogen-Serie „Breaking Bad“. Wovon nur handelt dieser Straßenfeger mit dem kuriosen Titel „Duck Dynasty“?

Nun, von Ententröten und Ententöten, garniert mit einer Familiengeschichte im tiefsten Louisiana. Die Männer der Robertson-Familie tragen Camouflageklamotten und lange Bärte wie die Musiker von ZZ Top; sie sind nicht die Allerhellsten, glauben an Gott und Gewehre und haben patente Frauen, die den Laden zusammenhalten. Das reicht, um ein Vermögen zu verdienen mit dem Verkauf von Entenpfeifen und allem möglichen anderen Kram, den man zum Entenjagen braucht.

Vor allem jedoch sind die Robertsons großartige Selbstdarsteller, die gern herumalbern und immer mal wieder Dinge tun, die nicht ganz ins Redneck-Klischee passen. So erzählt Onkel Si in einer Folge, dass er gern den Hip-Hopper Ice-T hört oder auch die Black Eyed Peas.

In einer anderen sperrt Willie, der Boss des Familienunternehmens, alle sozialen Netzwerke, weil seine Brüder zu viel surfen statt zu arbeiten. Als es kurz vor Weihnachten darum geht, Geschenke für Mitarbeiter zu kaufen, fällt Willie nicht anderes ein als Christbaumkugeln. Und einmal streiken einige Brüder und Mitarbeiter, weil sie hässliche Dienstuniformen im Betrieb anziehen sollen – bis Mutter den Streit schlichtet.

Homophobe und rassistische Äußerungen

So weit, so lustig und verständlicherweise populär. Doch letztlich vermittelt die Serie eine reaktionäre Vorstellung von Gesellschaft. Frauen und Männer haben ihre festgeschriebenen Rollen, auch wenn damit spielerischer umgegangen wird als früher. Das schwache Geschlecht kocht, backt und erzieht die Kinder, das starke ballert, zimmert und führt das große Wort. Afroamerikaner oder Latinos kommen in der Serie ebenso wenig vor wie Schwule oder Lesben. Und schon gar nicht kann man sich vorstellen, dass Barack Obama auch der Präsident dieser Robertsons ist. Denn hier ist die weiße Südstaatenwelt noch in Ordnung.

Daher sollte es eigentlich auch keinen aufregen, dass Familienpatriarch Phil Robertson in einem Interview mit dem Magazin GQ kürzlich sagte: „Mir als Mann erscheint eine Vagina anziehender als ein männlicher Anus. Ich denke mir halt: Da ist einfach mehr. Sie hat mehr zu bieten.“ Er räumt dann zwar ein, dass das, was er sagt, irgendwie nicht logisch ist, und ergänzt dennoch, dass homosexuelles Verhalten zu etwas Schlimmen führen kann, genau wie Promiskuität. Alles irgendwie sündig und nicht gottgewollt.

Noch deutlicher allerdings hatte Robertson schon vor drei Jahren bei einer Predigt (!) gegen Homosexuelle gewettert. Was auch sonst sollte ein Redneck machen? Höchstens noch einen draufsetzen, indem er fröhlich erzählt, er kenne keinen Schwarzen, der sich früher vor den Bürgerrechtsreformen der Sechzigerjahre diskriminiert gefühlt habe. Nein, die Schwarzen hätten gesungen und seien glücklich gewesen. Auch das erzählte der Entenjäger nun GQ.

Keine Überraschung, dass die liberalen Medien vor Weihnachten wenig gnadenbringend agierten, sondern aus allen Rohren auf Robertson schossen – hier ist die Metapher mal angebracht. Der Aufruhr zeigte Wirkung: Der Sender A&E hat ihn von der Serie suspendiert und sich von den Äußerungen distanziert. Das wiederum brachte die konservativen Medien in Rage, die nun Robertsons Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigten – auch wenn einige Kommentatoren immerhin einräumten, dass er ziemlichen Unfug erzählt hat.

Glaubenskrieg zwischen Konservativen und Progressive

Der muntere Streit, der kurz vor Weihnachten ausbrach, passt prächtig in die absurden Debatten, die in US-Medien regelmäßig um diese Jahreszeit geführt werden. Der reaktionäre Fox-Sender beklagt wie jedes Jahr einen „Krieg gegen Weihnachten“, weil mal wieder ein Senator oder Gouverneur auf seiner Weihnachtskarte nicht „Merry Christmas“ (Fröhliche Weihnachten) geschrieben hat, sondern „Happy Holidays“ (Frohe Festtage), und damit den christlichen Bezug gestrichen habe.

Der linke Sender MSNBC wiederum prangert eine Fox-Moderatorin an, die sich zu der Behauptung verstieg, der Weihnachtsmann sei weiß – und zu ihrer Verteidigung später sagte, der historische Nikolaus sei doch auch weiß gewesen, genau wie Jesus. Was die Satiriker und Comedians in der sonst eher ereignisarmen Zeit dankbar aufgriffen.

Das Christfest ist in den USA geht dieser Tage unweigerlich einher mit einen kleinen Glaubenskrieg. Anders als in der abgeschotteten Welt von „Duck Dynasty“ prallen in der heutigen Realität die Gegensätze einer Gesellschaft aufeinander, in der sich die eine Hälfte vor der Modernisierung fürchtet. Sie lehnt Homo-Ehe und Einwanderung ebenso ab wie ein strengeres Waffenrecht und Umweltschutz. Ihr gegenüber steht die andere Hälfte, die all das will, und hofft, dass die USA bald nachholt, was in meisten westlichen Ländern längst selbstverständlich ist.

Die Kluft zwischen Konservativen und Progressiven ist heute tiefer denn je – und spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Erfolgssendungen. Hier „Breaking Bad“, dort „Duck Dynasty“. Dem Erfolg der Reality-Serie aus Louisiana jedenfalls tut Robertsons homosexuellenfeindlicher Sermon keinen Abbruch, denn seine Zuschauer teilen die meisten seiner Ansichten. Unglaublich? Aber wahr.

In Deutschland wird der digitale Bezahlsender Biography Channel die Serie „Duck Dynasty“ ab 20. Januar jeweils montags ab 22 Uhr ausstrahlen.