BerlinHätten die Antifa und das Zentrum für politische Schönheit ein Kind, womöglich käme die „Frankfurter Hauptschule“ dabei heraus. Das Kollektiv besteht aus privilegierten Mitzwanzigern, für die Wodka-Red-Bull-Trinken ein politisches Statement ist und die ironische Metaebene der modus vivendi ihrer „künstlerischen“ Provokationen. Sie tut das, das muss man ihr lassen, extrem medienwirksam. 

Die jüngste Aktion der Gruppe flankiert nun die Debatte über koloniale Raubkunst in europäischen, auch deutschen Museen. Doch sie tut dies auf eine Weise, die an Selbstgerechtigkeit und Klischeehaftigkeit schwer zu übertreffen ist. So bekannte sich die Gruppe jetzt zum Diebstahl einer Joseph-Beuys-Skulptur, der „Capri-Batterie“, aus einer kürzlich eröffneten Schlingensief-Ausstellung in Oberhausen. Das Theater Oberhausen bestätigte den Verlust, die Leihgeber, das LWL-Museum Münster, fordert Aufklärung, die Polizei ermittelt.

Man habe das Werk „unbürokratisch nach Afrika überführt“, hieß es im Bekennerschreiben der Gruppe. In einem Video dokumentiert sie den Einbruch. Drei gutgelaunte, weiße Mitglieder treten darin eine Flugreise nach Tansania an, um die Beuys-Skulptur dort Vertretern des Hehe-Stamms zu überreichen, wo sie jetzt angeblich in einer Glasvitrine steht.

Der mit dem Song „Africa“ von Toto unterlegte Film spielt mit der post-kolonialen Nomenklatur des weißen Sensationstourismus: Safaris, Tropenhüte, sexualisierte Schwarze auf dem Dancefloor. Als selbstreferenzielle „Kritik“ könnte das irgendwie noch durchgehen. Mit einem Kommentar zur Raubkunst-Debatte hat es wenig zu tun.

Tatsächlich wirkt es, als würden die Vertreter des Hehe-Stammes in der ehemaligen deutschen Kolonie hier letztlich für eine sehr deutsche Art Humor missbraucht. Die Frankfurter Hauptschule macht genau den Fehler, den Schlingensief im Operndorf Afrika stets zu vermeiden suchte: Sie benutzt Afrikaner für die eigene Auseinandersetzung mit Geschichte. Dann sollen sie doch lieber weiter zuhause Wodka-Red-Bull trinken.