Trauern ist gar nicht so einfach. Bei der Echo-Verleihung am Donnerstagabend in einer Messehalle neben dem Palais am Funkturm gab es ein kurzes Gedenken am Anfang der Gala für die Opfer des Germanwings-Flugzeugabsturzes. Kerzen flackerten auf der Bühne, alle erhoben sich von ihren Plätzen. Das passte. Was gar nicht ging: Die Fahnen auf dem Vorplatz vom Palais am Funkturm flatterten auf Halbmast, was in Ordnung gewesen wäre, wenn es sich dabei nicht um Reklamefahnen einer Brauerei und eines Autoherstellers gehandelt hätte. Peinlich.

Die abwechselnd am Genfer See und in Paris lebende Griechin Nana Mouskouri holte sich den Echo für ihr Lebenswerk ab. Solche Ehrungen für das Gesamtschaffen mag die 80-Jährige, zu deren rundem Geburtstag die Zusammenstellung „Meine Reise von 1962 bis heute“ auf zwei CDs und einer DVD herauskam, weil auch bei 300 Millionen verkauften Tonträgern noch längst nicht Schluss sein muss: „Man fängt irgendwann an, versucht sein Bestes zu geben. Wenn es dann so einen Preis für das Lebenswerk gibt, dann ist das eine Bestätigung für das, was du dein ganzes Leben getan hast. Ich bin sehr bewegt.“

Dass es diesen Preis ausgerechnet in Berlin gab, machte ihn für sie besonders wertvoll: „Berlin war die erste Stadt, die ich vor 54 Jahren in Deutschland besucht habe. Es berührt mich, dass ich hier für etwas ausgezeichnet werde, was von hier aus auf seinen Weg um die Welt ging.“ Bei ihrem Besuch 1961 musste sie deprimiert miterleben, wie die Mauer errichtet wurde: „Für mich ist der Fall der Mauer ein Zeichen dafür, dass die Welt sich bessern, dass es Frieden und Liebe geben kann.“

Am Anfang ihrer Karriere musste Nana Mouskouri um ihre Brille kämpfen: „Am Tag, an dem ich das Festival in Athen gewonnen habe, kamen Produzenten und Leute aus dem Business zu mir und sagten: ,Ab sofort trägst du keine Brille mehr auf der Bühne und lässt Deine Haare blond färben! Du musst wie ein Star aussehen!“ Da habe ich geantwortet: Ich muss nicht aussehen, ich muss ordentlich singen.“ Die Antwort auf die Frage, ob sich jemals die Optiker bei ihr bedankt hätten, fällt kurz aus: „Nein.“ Und auch Echo-Moderatorin Barbara Schöneberger nahm die Brille bloß als Vorlage für einen Witz. Nana Mouskouri sei ein „Vorbild an Sparsamkeit: Seit 50 Jahren Kassengestell!“

Auf dem lila Echo-Teppich hatten es diesmal Künstler wie Udo Lindenberg und Roger Cicero besonders eilig. Sie gehörten gemeinsam mit den Kollegen Adel Tawil, Herbert Grönemeyer, Annett Lousian, Sarah Connor, Andreas Bourani und Xavier Naidoo zur musikalischen Eröffnungsnummer des Abends: Alle gemeinsam sangen „Ich weiß, was ich will“ und ehrten damit den im Dezember verstorbenen Udo Jürgens.

Bevor er dafür in den Saal huschen musste, beschwerte sich Roger Cicero noch fix über ein altes Leiden der Echo-Nacht: „Man trifft hier viele Kollegen, die man teilweise seit einem Jahr nicht gesehen hat. Man hat unheimliche Lust, mit denen zu reden, was aber nicht geht, weil die Musik auf der Party immer viel zu laut ist.“ Udo Lindenberg stand schon vorab als Gewinner des Echos für soziales Engagement fest, unter anderem für sein Engagement für Toleranz und gegen Neonazismus. Der Echo für das Album des Jahres an Helene Fischer überraschte niemanden. Herbert Grönemeyer gewann in der Kategorie Künstler Rock/Pop national und erklärte: „An einem Tag wie heute freut man sich gedämpft.