Echo-Verleihung 2013: Demos beim Schaulauf

Gleich vier Demonstrationen - eine von den Fans der unter Rechtspopulismusverdacht stehenden Band Frei.Wild (die nach Protesten von der Nominiertenliste gestrichen worden war), eine von NPD-Anhängern, eine von Jusos und eine von Antifa-Gruppen - ließen die Vorfahrt der Gäste für die Veranstalter zum spannendsten Teil des Abends werden. Polizei-Hundertschaften zeigten in der ganzen Gegend Präsenz und das Eintreffen der Gäste verlief einigermaßen reibungslos. Leslie Mandoki erinnerte sich angesichts der Demos: „Ich bin in Ungarn 17 Mal von der Bühne herab verhaftet worden. Wir sollten uns glücklich schätzen, dass wir in einem Land mit Meinungsfreiheit leben.“

Beim Echo feiert sich die Musikbranche, die die kommerziell erfolgreichste Musik des vergangenen Jahres auszeichnet, selbst. Diesmal konnten die Kollegen einen verloren geglaubten Sohn wieder in ihre Arme schließen: Nach vier Jahren Echo-Pause war der Musiker Peter Plate wieder da. Nach dem Ende seines Duos Rosenstolz macht er als Solokünstler weiter und stürzt sich wieder ins Echo-Getümmel. Direkt nach seinem Weg über den lila Teppich vor dem Palais am Funkturm sagte er: „Ich habe es genossen. Es ist toll, wieder hier zu sein.“

„Ich bin von einem Baum gefallen“

Theo Hutchcraft vom Duo Hurts wurde immer wieder nach der mit mehreren Stichen genähten Wunde unter seinem rechten Auge gefragt. Er entschied sich grinsend zu einer kleinen Lüge, die gleichzeitig das Zitat einer klassischen Lüge war. Wie Keith Richards von den Rolling Stones, der damit flunkernd die Verschiebung einer Tournee begründete, behauptete Hutchcraft: „Ich bin von einem Baum gefallen.“

Für Hagen Stoll und Sven Gillert von der Band Haudegen hatte sich der Echo-Abend, zu dem sie ohne Nominierungen und deshalb ganz entspannt als Gäste gekommen waren, schon ziemlich früh gelohnt. Hagen Stoll freut sich: „Wir haben beim Warner-Vorempfang Jimmy Page von Led Zeppelin getroffen. Ein cooler Typ!“ Sven Gillert fragt sich: „Was soll jetzt noch kommen? Er hat gesagt, dass wir gute Menschen sind!“

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Den meisten Gästen des Echo-Abends 2013 dürfte nicht klar gewesen sein, dass sie Zeugen des Abschieds dieser Veranstaltung vom Palais am Funkturm sind. Wenn es nicht gerade noch zu schlimmen Bauverzögerungen kommt (mit denen man in Berlin allerdings immer rechnen muss), findet die nächste Verleihung des Deutschen Musikpreises nämlich im neuen City-Cube statt, der auf dem Gelände gebaut wird, auf dem früher die Deutschlandhalle stand.

Die Stars des Abends: Depeche Mode und Carla Bruni

Stargäste des Echo-Showprogramms waren Depeche Mode und die Sängerin Carla Bruni. Die Frau des ehemaligen französischen Präsidenten Nicoals Sarkozy wollte beim Echo zum ersten Mal im deutschen Fernsehen „Mon Raymond“ singen, das Lied, hinter dem französische Musikkritiker eine Liebeserklärung an ihren kleinen Ex-Präsidenten vermuten. Sie machen das besonders an diesem Zitat fest: „Mein Raymond hält immer die Richtung, wenn er voranstürmt. Er ist der Chef, er schmeißt den Laden, und selbst wenn er eine Krawatte trägt, ist er ein Pirat.“

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Schon am Vorabend hatte es die ersten Echos gegeben. Über die konnten sich Daniel Barenboim (Ehrenpreis für sein soziales Engagement), Die Toten Hosen (für die es nicht der einzige bleiben sollte) und Vincent Sorg (Erfolgreichstes Produzententeam National) und die Band Kraftklub (Kritikerpreis) sowie der Sender FluxFM (Medienpartner des Jahres) freuen.

Gegen Ende geraten solche Preisverleihungen - so auch diesmal - immer zu gymnastischen Übungen, denn wenn die Ehrungen für Lebenswerke verliehen werden, hält es keinen auf seinem Sitzplatz. Diesmal durften sich Hannes Wader und Led Zeppelin die Trophäen für ihr Gesamtschaffen abholen.