Warum genau jetzt eigentlich der Eberhofer Franz nach München versetzt wird, bleibt dann doch eher so ein bissel im Unklaren. Jedenfalls aber muss der tüchtige Kriminaler auf Betreiben seines hinterfotzigen Dienststellenleiters Moratschek sein geliebtes Niederkaltenkirchen verlassen und sich in der verregneten Schnösel-Hauptstadt bei der zickigen Polizeiinspektorin „Thin Lizzy“, auch bekannt als Elisabeth Maierhofer respektive Frau Dings, zum Rapport melden.

Die nimmt sich den Ermittler mit den anarchischen Methoden sogleich zur Brust und besteht auf Teamwork und Transparenz. Worte, die durch den bajuwarischen Dickschädel Eberhofers glatt und ohne längeren Aufenthalt hindurch gehen. Franz Eberhofer hat nämlich ganz andere Sorgen. Zum Beispiel die, dass ihm Sandkastenfreundin Susi in Sachen Heirat die Pistole auf die Brust setzt, beziehungsweise einen Nebenbuhler vor die Nase. Oder die, dass er in München bei seinem alten Kumpel Rudi Birkenberger wohnen muss, wo es immer nur Ravioli aus der Dose gibt. Ein Leichenfund im Kofferraum des Autos seines Kiffer-Vaters liefert dann aber einen guten Grund für eine Rückkehr in die niederbayerische Heimatregion. In München ist es ja auch gar nicht zum Aushalten!

„Hohepriester der Wurschtigkeit“

Mit „Sauerkrautkoma“ hat es nun endlich doch noch eine Verfilmung eines Eberhofer-Krimis in die Kinos jenseits des Weißwurstäquators geschafft. Es ist dies nämlich bereits die fünfte Adaption eines der beliebten, derzeit bereits neun Bände umfassenden Provinzkrimi-Reihe der in Bayern beheimateten Autorin Rita Falk. Diese tragen so schöne Titel wie „Dampfnudelblues“ (2013), „Winterkartoffelknödel“ (2014), „Schweinskopf al dente“ (2016) und „Griessnockerlaffäre“ (2017) und konnten im süddeutschen Raum mit knapp zweieinhalb Millionen Besuchern bislang mehr als nur Achtungserfolge feiern.

Regie führte bei allen fünfen der an der Deutschen-Film- und Fernsehakademie Berlin ausgebildete Ed Herzog, und zum Stammpersonal gehören unter anderem Sebastian Bezzel als Dorfsheriff Eberhofer – den die Eingeweihten auch als „Hohepriester der Wurschtigkeit“ verehren – und Simon Schwarz als Birkenberger sowie die bayerischen Kabarett-Größen Sigi Zimmerschied und Eisi Gulp in wichtigen Nebenrollen. Alle sind mittlerweile blind aufeinander eingespielt. Da verwundert es denn auch nicht, dass „Sauerkrautkoma“ sich mitunter anschaut wie ein einziger langer Insiderwitz, den halt mal wieder nur die Bayern verstehen. Sich davon abschrecken zu lassen, bringt allerdings nicht viel, mehr Spaß hat, wer versucht, sich in diese beeindruckend konsequente Feier des gehobenen Blödsinns einzugrooven.

Selbstironische Satire trifft ins Schwarze

Denn vergleichbar der vor vielen Jahren im kleinen Nachbarland unter Federführung von Peter Patzak entstandenen, großen Nonsens-Polizeiserie „Kottan ermittelt“ folgt auch die Reihe der Eberhofer-Krimis dem Primat des abstrusen Einfalls und der seltsamen Idee.

Narrative Stringenz ist dazu da, um Unfug mit ihr zu treiben, und Jux und Dollerei sowie blöde Witze sind immer und unter allen Umständen der Logik und der Ordnung vorzuziehen. Hat man sich mit dieser Prämisse erst einmal arrangiert, steht dem Amüsement nichts mehr im Wege, lassen sich gekonnte Slapstick-Einlagen wie die Rückwärts-Kreiselfahrt im Kreisverkehr ebenso goutieren, wie die barock-protzige Einrichtung der Bürgermeister-Villa.

Der kritisch-realistische Blick, der das Genre des Neuen Heimatfilms auszeichnet, mag in „Sauerkrautkoma“ allenfalls sekundenkurz im Zusammenhang mit dem zu lösenden Kriminalfall aufblitzen. Als selbstironische Satire aber trifft der Film voll ins Schwarze: Dorthin, wo in der bayrischen Provinz der bayrische Humor fröhliche Urständ feiert, respektlos, unkorrekt, surreal, ziemlich speziell und auf seine Art unverzichtbar.

Sauerkrautkoma Bayern 2018. Regie: Ed Herzog, Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog, Kamera: Sebastian Edschmid, Musik: Martin Probst, Darsteller: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff u.a., 96 Minuten, Farbe.