Edward Hopper: „Railroad sunset“, 1929 Öl /Lw.
Foto: Whitney Museum of A Art New York

BerlinKunstjünger werden nach Riehen bei Basel reisen und   Schlange stehen vor der Foundation Beyeler, die sich diesen Ausstellungs-Coup leistet und das New Yorker Whitney-Museum als Partner für Leihgaben gewann. Und wir Berliner sind natürlich grün vor Neid, weil uns das nicht hier vergönnt ist – diese 65 Gemälde, vor allem die Landschaften, des unvergleichlichen Edward Hopper (1882–1967) zu sehen. Die fahl-lichtige, bisweilen fast unterkühlte Farbgebung dieser Malerei   meint die Isolation des modernen Menschen von seinen Ursprüngen. Gerade darum gilt Hopper bis heute als Chronist des   Mittelstandes in den Vorstädten, werden Ausstellungen zu Magneten. 

Keine Frage, Hoppers Stil war seinerzeit durch Film, Fernsehen, Fotografie und die Populärkultur beeinflusst. Umgekehrt waren Regisseure von seinen Bildern inspiriert. Hitchcock ließ das Gebäude im Gemälde „House by the Railroad“ für „Psycho“ nachbauen. Und Wim Wenders, der zur Vernissage in Riehen die Laudatio halten wird, stellte das Szenario von „Nighthawks“ im Film „The End of Violence“ nach. Auch bei Hopper ist da dieser Albtraum, gleich fahre in die menschenleere Tankstelle ein Auto ein, und es sitze jemand mit einer Schusswunde im Bauch am Steuer. 

Keiner traf das Gefühl, die Stimmungen der Einsamkeit und Melancholie des modernen Zeitalters im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bis in die letzte Bildecke so wie dieser New Yorker. Vor Hoppers Spirit erstirbt jeder stilistische Zwist. Selbst radikalste Verfechter der Abstraktion respektieren den bedeutendsten Realisten der Moderne in den USA, rühmen dessen frappierende Lichtregie, die Unsichtbares – außerhalb des Bildes – ahnen lässt. Beklemmend einsamer, verwirrend stiller geht's nicht, soweit man das von Malerei sagen kann. Melancholischer – zugleich tröstlicher auch nicht.

Edward Hopper: „Gas“, 1940, Öl/Lw. -
Simon Guggenheim Fund/ Heirs of Josephine Hopper 2019, ProLitteris, Zürich © 2019 Digital image, The Museum of Modern Art, New York / Scala,Florence
Fondation Beyeler

Riehen/Schweiz, 26. Januar bis 17. Mai, tgl. 10–18/ Mi bis 20 Uhr