Mario Adorf wird für sein Lebenswerk geehrt.
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Berlin"Schauen Sie mal böse“, hat Mario Adorf seine Biografie überschrieben, die vor nicht allzu langer Zeit erschienen ist. Der große Regisseur Robert Siodmak, erzählt Adorf, habe ihm mit dieser Aufforderung den Weg in seine beispiellose Karriere geebnet. „Nachts, wenn der Teufel kam“ hieß der Film, den die beiden zusammen drehten, eine Geschichte um Schuld und Vertuschung im Dritten Reich. Er war ein Erfolg an den Kinokassen und 1958 sogar für den Oscar nominiert, und er war Adorfs Durchbruch.

Nach Hollywood wollte er nie

Natürlich zeigte er da und auch in seinen weiteren Filmen mehr als den bösen Blick. Adorf, 1930 in Zürich geboren und in der Eifel aufgewachsen, brachte eine Wucht und eine Härte ins deutsche Kino, wie man das sonst nur aus Hollywood gewohnt war: in „Das Totenschiff“ etwa, auch später als Schurke Santer in „Winnetou“, der kaltblütig die Schwester des Apachenhäuptlings erschoss.

Selber nach Hollywood gehen wollte er allerdings nie. Er habe keine Lust gehabt, dort Klinken zu putzen, hat er einmal gesagt. Anfragen gab es dennoch – am prominentesten für Francis Ford Coppolas „Der Pate“. Doch weil die von ihm favorisierte Rolle des Sonny Corleone an James Caan ging, sagte er beleidigt das ganze Projekt ab.

Fürs deutsche Kino war dies ein Glück. Adorf drehte nämlich stattdessen mit Edgar Reitz „Die Reise nach Wien“, eine Komödie aus der Nazi-Zeit, in der er spektakulär sein komisches Talent präsentierte. 1974 erhielt er dafür den Ernst-Lubitsch-Preis für die beste komödiantische Leistung im deutschen Film.

Erinnerungen an "Die Blechtrommel"

Und wenn an diesem Mittwoch der Lubitsch-Preis 2020 verliehen wird, wird daran im Besonderen, aber auch an Adorfs komödiantisches Können im Allgemeinen erinnert: Mit einer Hommage an den 89-Jährigen wird die Gala eröffnet, auf der er Ehrengast ist – und gewiss auch ein paar Erinnerungen mit der Preisträgerin Katharina Thalbach teilen wird, die in jungen Jahren seine Partnerin in „Die Blechtrommel“ war.

Kein Grund jedenfalls, böse zu schauen für den Mann, der als Alfred Mazerath sein Parteizeichen verschluckte; der als Generaldirektor Haffenloher dem Baby Schimmerlos versprach: „Ich scheiß dich sowat von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast“; und was der legendär lustigen Momente mehr sind in Adorfs Schaffen.

Ja, sagt er, besonders den Satz aus „Kir Royal“ höre er ständig, wenn ihn jemand erkennt – „gefolgt aber stets von der Bemerkung: ,Aber dass Sie die Nscho-Tschi erschossen haben, verzeih ich Ihnen nie!‘“