Das Sensationsfoto des russischen Fotografen Sergej Gorschkow, nunmehr Wildlife Photographer des Jahres 2020.
Foto: Sergej Gorschkow/Natural History Museum London

London/Berlin - Elf Monate lang hat Sergej Gorschkow gelauert, bis er in Sibirien dieses Foto von einem Amur-Tiger machen konnte. Endlose Geduld gehört zur DNA eines Wildtierfotografen. Doch diese „Umarmung“ zählt wohl zu den ungewöhnlichsten Aufnahmen in der Geschichte der Tierfotografie. Kein Wunder, dass der auch für GEO arbeitende Gorschkow jetzt zum Wildlife Photographer 2020 gewählt wurde, aus 49.000 Einsendungen aus 86 Ländern. Die Jury im Natural History Museum London hat sich am Dienstag einhellig dafür entschieden. Das Motiv, das raten lässt, ob das wilde Tier oben im Baum eine Beute entdeckt hat und im Begriff ist, nachzusetzen, oder ob es etwa nur gerade mal ausruht und den dicken  Baumstamm als zuverlässigen Halt benutzt, ist nicht nur einzigartig, sondern auch eine Botschaft. Denn der Amur-Tiger, der ohnehin nur 15 Jahre alt wird, droht auszusterben. 

Gorschkow musste für dieses Bild in Sekundenschnelle auf den Auslöser drücken, dennoch gelang es ihm, den Subtext  einzubringen. Eine Mahnung: Die größte lebende Raubkatze der Welt ist durch Wilderei bedroht – die Knochen und anderen Körperteile gelten in Asien als traditionelle Medizin und werden teuer bezahlt. Der Bestand ist extrem dezimiert: auf nurmehr 300 Exemplare. Die ursprüngliche Heimat der Tiger waren früher die Nordmandschurei, Korea,Primorsk-, Ussuri- und Amurgebiet. Heute gibt es sie nur noch in den Wäldern Sibiriens. Dieser „gejagte Jäger“, hat nur einen einzigen wirklichen Feind – den Menschen.