Die Shuttle-Kleinbusse bringen die Geschäftsleute vom EFM zur Berlinale und zurück.
Foto: Oliver Moest/Gropiusbau

BerlinVor einigen Tagen absolvierte ich meinen traditionellen Rundgang über den European Film Market (EFM), das geschäftliche Gegenstück des Filmkunst-Happenings Berlinale.

Früher war diese Messe ein Festival-Nebenschauplatz mit einigen Büros in Hotelzimmern und Vorführungen in den kleinen Räumen des alten Bikini-Hauses, heute ist der EFM ein echter Berlinale-Motor: Im Martin-Gropius-Bau und provisorischen Büro-Bungalows drumherum treten Produktionsfirmen und Ländervertretungen mit ihren Filmen und Projekten auf, gut 8000 Geschäftsleute kommen dafür nach Berlin. Dass die sonst so präsenten chinesischen Besucher diesmal etwas im Hintergrund blieben, liegt – so Branchenkenner – nicht nur am Coronavirus, sondern auch an Veränderungen im Geschäft, der unbändige Filmhunger vergangener Tage lässt in der Volksrepublik merklich nach.

Nicht immer Mr. Bean!

Reizvoll ist ein Besuch auf dem EFM nicht nur als bunter Einblick in die wirtschaftliche Seite der Film- und Serienproduktion, man kommt auch immer ins Gespräch. Auf der Rückfahrt vom Martin-Gropius-Bau zum Potsdamer Platz in einem der komfortablen, ökologisch heiklen Shuttle-Kleinbusse geht es erstmal ums elende Berliner Wetter, zwei amerikanische Manager sind sichtlich unzufrieden, der junge Nebenmann hingegen stellt eher amüsiert fest, das sei er ja aus London gewohnt. Endstation vor dem Filmhaus, der britische Mittzwanziger und ich unterhalten uns noch etwas.

Sean ist sowas wie ein Scout und Einkäufer für die Firma „Skyline IFE“, in Berlin ist er, um die Filmrechte für Flugzeugvorführungen zu sichern. Weltkino-Beschaffung zum Beispiel für Emirates; ich halte es für überaus ehrenwert, Passagieren nicht nur „Mr. Bean“-Endlosschleifen oder den neunten „Minions“-Film zu zeigen.

Etwas für die Bordunterhaltung

Wir bleiben in Kontakt, Sean und Skyline-Manager Richard Barsby erzählen ein wenig von ihrer Arbeit. Skyline, seit 40 Jahren im Geschäft, bietet Fluggesellschaften umfassende Dienstleistungen in Sachen Bordunterhaltung an, darunter eben auch die Akquise und Aufbereitung von Filmen; zu nackt, zu gewalttätig darf es nicht sein, erwartungsgemäß kommen auch Flugzeugkatastrophenfilme nicht ins Programm. Einen Film habe man diesmal auf dem EFM eingekauft, erklärt Barsby, über drei weitere werde noch verhandelt.

Ist dafür aber im Digitalzeitalter ein persönlicher Auftritt in Berlin nötig? In jedem Fall, meint er, nichts ersetze „Treffen und Gespräche über Filmeinkäufe in einem professionellen und geselligen Umfeld“ wie dem EFM. Gab es denn einen besonders interessanten Film in diesem Jahr? „Pinocchio“ von Matteo Garrone (Berlinale Special Gala) sei schon toll gewesen, meint Richard Barsby. „Wenn allen beim Lügen eine lange Nase wachsen würde, dann gäbe es auch keine Fake News mehr.“