Berlin - Angesichts des anhaltenden Aufmerksamkeitsentzugs für Kultur und kulturpolitische Nachrichten könnte man leicht zur Tagesordnung der Inzidenzwerte und Notverordnungen übergehen.

Oder doch nicht? Der Bundesrechnungshof hat den Finanzierungsplan des mutmaßlich 2026 am Potsdamer Platz fertiggestellten Museums der Moderne moniert. Eine darin vorgesehene pauschale Risikovorsorge für das wegen hoher Baukosten schon länger in der Kritik stehende Museum verstoße gegen das Haushaltsrecht, heißt es in einem Bericht der Rechnungsprüfer. Mittel für Risiken dürfen aber nur dann veranschlagt werden, wenn sie projektspezifisch hergeleitet und mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden. Ohne es ausdrücklich zu sagen, wittert der Bundesrechnungshof hier ein sorgsam angelegtes Sparkissen. Er sieht 10,3 Millionen zu viel veranschlagt und fordert deshalb eine Kürzung des Haushaltsansatzes auf 354 Millionen Euro.

Die Bedürfnisse einer dynamischen Kunstwelt

Es wird also neu gerechnet werden müssen, obwohl ein Puffer von zehn Millionen Euro bei einem Bauprojekt dieser Größenordnung erfahrungsgemäß nicht ausreichen dürfte, die tatsächlichen Kostensteigerungen zu kompensieren. Und doch ist die Intervention des Bundesrechnungshofes mehr als ein Schönheitsfehler in einer nicht nur für Flughäfen immer komplexer werdenden Bauplanung und -durchführung. Vielmehr ist sie ein Indiz dafür, dass das Museum der Moderne sich immer weiter von den Ursprungsüberlegungen entfernt hat, die aus einer Zeit stammen, in der Berlin fitgemacht werden sollte für die Erwartungen, die an eine internationale Kunstmetropole gestellt werden.

Als ausgemacht galt, dass zeitgenössische Kunst dramatisch unterrepräsentiert sei. Berlin war zu einem attraktiven Standort für junge Künstler aus aller Welt avanciert, vermochte in seinen Museen und Institutionen aber bestenfalls eine klassische Moderne zu zeigen, die den Bedürfnissen einer dynamischen Kunstwelt kaum gerecht wird.

Der Bundesrechnungshof – ein Spielverderber?

Unter der Ägide von Kulturstaatsministerin Monika Grütters wurde das Museum der Moderne bald zu einem Prestigeprojekt, das diese Lücke schließen sollte – nicht nur auf dem Kulturforum, wo durch den Entwurf der Schweizer Jaques Herzog & Charles de Meuron im Zusammenspiel mit Gemäldegalerie, Neuer Nationalgalerie und dem Scharoun-Ensemble ein ganz neuer Stadtraum entstehen wird.

Nun aber machen die gespitzten Bleistifte des Bundesrechnungshofes einmal mehr darauf aufmerksam, dass die Planungsgrandezza früherer Jahre nicht mehr aufgeht. Ein Museumsprojekt dieser Größenordnung verbraucht inzwischen mehr als ein Vierteljahrhundert Lebenszeit, in der sich viele der angenommenen Paramater zum Baubeginn bereits erledigt haben. Die Erregungsenergie, die Berlin Anfang der 2000er-Jahre abgestrahlt hat, ist deutlich abgefallen. Private Sammler, die den Mangel eines repräsentativen Ortes für zeitgenössische Kunst vorübergehend mühelos auffangen konnten, haben der Stadt inzwischen den Rücken gekehrt oder ihren Rückzug angekündigt. Noch ist kaum abzusehen, welche Bedürfnisse insbesondere an kulturelle Begegnungsräume in einer vermutlich nicht so schnell vergehenden Pandemie gerichtet werden. Man sollte den Rechnungshof also nicht als nörgeligen Spielverderber betrachten – sondern als Anreger möglicher und notwendiger Korrekturen.