So ganz neu war der fotorealistische Stil vor einem halben Jahrhundert ja nicht. Mit dieser Art, Dinge oder Personen darzustellen, hatten eigentlich Malerinnen und Maler der Neuen Sachlichkeit in den sogenannten Goldenen Zwanzigern schon Erfolg – und ihr Ruhm hält sich bis heute. In Berlin malte damals zum Beispiel Christian Schad Porträts so hyperscharf und detailliert, dass das Gemälde auch ein Farbfoto sein könnte, zugleich setzte er die Farben so glatt, dass kein Fältchen, kein  Haar oder Pickel die Ästhetik trüben konnte.

Denkwürdig, dass sich die fotorealistische Malerei ausgerechnet Ende der 1960er-Jahre in den USA entwickelte, nicht als Konkurrenz zum Medium Fotografie, sondern als Gegenbewegung zur herrschenden Abstraktion des Action Painting und der Farbfeldmalerei. Chuck Close aus dem Staat Washington, Jahrgang 1940, wollte nicht abstrakt malen. Und so nahm er Fotos als Vorlage und malte mit breitem Pinsel und bald auch mit Spritzpistole, was fotografisch abgebildet war: Land und Stadt, Autos, Scheinwerfer und die Schatten auf den Kühlerhauben. Und vor allem Gesichter, hypergroß, nur aus der Ferne zu erkennen.

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