Der tschechische Filmregisseur Jiri Menzel (1938–2020).
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BerlinVor vielen Jahren prägte Jiří Menzel ein Bonmot, das wie ein Motto über seinen Filmen stehen könnte: „Wir alle wissen, dass das Leben grausam und traurig ist. Es ist überflüssig, das auch noch im Kino zu zeigen. Lasst uns unsere Tapferkeit dadurch beweisen, dass wir imstande sind, es zu verlachen. In diesem Lachen dürfen wir dann keinen Zynismus suchen, sondern Aussöhnung.“ Genau so sahen seine Helden aus, Philosophen, Gestrauchelte und Gestrandete, Narren, die oft so etwas wie alltägliche Heilige waren, ausgesetzt dem Strudel der Zeitläufe, Spielball der Politik, die sie dann doch für ihre Zwecke ausnutzen, scheinbar naiv und immer gewitzt.

Diese Haltung hatte Menzel vor allem seinem väterlichen Freund, dem Dichter Bohumil Hrabal abgelauscht, dessen Werke er mehrfach verfilmte. Zu den besten Adaptionen gehörte „Lerchen am Faden“, der 1969 gedreht und sofort verboten wurde und der 1990, nachdem er endlich auf den Leinwänden erscheinen durfte, im Wettbewerb der Berlinale lief. Hrabal und Menzel porträtierten hier so genannte „Feinde des Sozialismus“: Menschen, die während der Stalin-Ära aus ihren meist akademischen Berufen herausgerissen worden waren, auf einem Schrottplatz „umerzogen“ werden sollten.

Bereits mit seinem ersten langen Spielfilm „Scharf beobachtete Züge“ (1966), der in der Bundesrepublik Deutschland „Liebe nach Fahrplan“ hieß und in den USA mit einem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde, brach er Tabus, indem er das „heilige“ Thema des antifaschistischen Heldenkampfes mit einer urkomischen Liebesgeschichte in Verbindung brachte.

Nachdem die Panzer des Warschauer Pakts den „Prager Frühling“ und dessen Filmkunst niedergewalzt hatten, erhielt Jiří Menzel keine Filmaufträge mehr. Die Defa holte ihn nach Babelsberg und übertrug ihm die Hauptrolle in dem Märchenfilm „Sechse kommen durch die Welt“ (1972): einen Soldaten, der mit hintergründigem Witz gegen seinen dumpfen und eigennützigen König (Jürgen Holtz) aufbegehrt. Ein Husarenstück des Regisseurs Rainer Simon, das wie durch ein Wunder funktionierte.

Als Menzel wieder eigene Filme inszenieren durfte, blieb er dem subversiven böhmischen Humor treu. Er drehte Grotesken auf kleinbürgerliche Zeitgenossen wie „Häuschen im Grünen gesucht“ (1975) oder „Das Wildschwein ist los“ (1983), und über sein Schelmenstück „Heimat, süße Heimat“ (1985) lachen mittlerweile schon drei Generationen tschechischer Zuschauer. In den Wettbewerb der Berlinale wurde Menzel 2006 mit der grotesken Komödie „Ich habe den englischen König bedient“ eingeladen, der Hrabal‘schen Geschichte eines Überlebenskünstlers, dessen Motto hieß: Alles sehen, alles hören, nichts sagen – aber immer, ganz gezielt, an die eigene Karriere denken.

Zuletzt war Menzel in Martin Suliks „Der Dolmetscher“ (2018) zu sehen. Noch einmal gab er den tragikomischen Helden, einen Schwejk des frühen 21. Jahrhunderts. Am 5. September ist der in Prag geborene Regisseur in seiner Heimatstadt verstorben.