Yves Macak bringt als "R-Zieher" sein Publikum zum Lachen.
Foto: Rattenscharfte Photos

BerlinHat etwa jemand im Saal Angst vor Corona? Die Frage ist rhetorisch – denn sonst wären im ausverkauften Kookaburra Comedy-Club ja nicht alle Stühle besetzt. Yves Macak schließt sich gleich mit seinem Stammpublikum kurz, den Erziehern in Kitas und Grundschulen, betont das starke Immunsystem: „Wir sind ja von Berufs wegen im Umgang mit Viren und Infektionen aller Art gestählt.“ Er fragt nicht nur ab, wie viele Gäste „vom Fach“ sind (es sind fast alle), sondern auch nach dem Männeranteil – es sind ganze zwei. Allein aus dieser Konstellation, ein Mann in einem von Frauen dominierten Beruf, lassen sich ja viele Gags ableiten. Yves Macak spielt Szenen aus seiner Erzieherausbildung vor, wo er neben „Bastel-Berta“ sitzen musste, wo Wollknäule im Stuhlkreis hin- und hergeworfen wurden, wo das „Therapeutische Tuschen“ und der Hopser-Tanz à la Waldorfschule gelehrt wurden.

Doch viel stärker als die Unterschiede betont Macak, der sich auf der Bühne „R-Zieher“ nennt, die Gemeinsamkeiten. Spontanen Zwischenbeifall bekommt er immer für die Momente des Wiedererkennens: Wenn die Frühschicht schon von einem Vater erwartet wird, dessen erkältetes Kind gleich erst mal alle Bausteine vollniest, was man auf der „Patrouille“ in der Hofpause erleben kann, die er „Freilandhaltung“ nennt, oder welche kuriose Situationen die Elternabenden bereit halten. Zum Lachen kommt immer ein Ausruf: „Genau so isses!“

Yves Macak bringt zwanzig Jahre Erfahrung mit

Wie Johannes Schröder, der als „World of Lehrkraft“ mittlerweile in großen Sälen auftritt, bringt Yves Macak das Thema Bildung und Erziehung auf die Comedy-Bühnen – gespickt mit eigenen Erfahrungen. Er arbeitet seit über zwanzig Jahren im Fach. Er hat in Kitas Windelsäcke geschleppt, unterstützte als Erzieher in Grundschulen die Lehrer und arbeitete in Jugendfreizeitstätten.

Die Kinder sind für ihn nach wie vor der stärkste Antrieb. Milden Spott hat er nur für manche Jugendliche übrig, deren Ticks er gekonnt nachahmt, etwa das APS – das Augsburger-Puppen-Syndrom. Belastender sind allemal so manche Eltern. Den Begriff Helikoptereltern findet er viel zu harmlos: In Wirklichkeit seien es „Kampfhubschrauber“.

Macak spielt mit vollem Körpereinsatz: Wer sich bei seiner Körpergröße auf einem Schulhof Gehör verschafft hat, der ist gut trainiert. Auch musikalisch hat er den „R-Zieher“ drauf: Mit nur drei Durgriffen D-A-G spielt er auf der Gitarre ein Dutzend Kitaklassiker in einem Medley durch.

Das Programm ist nicht nur witzig, sondern wichtig: Die Bildungssenatorin sollte für alle gestressten Erzieher Gutscheine für diesen Abend verteilen, die Ärzte den Besuch auf Rezept verordnen können. Wo sonst erfährt dieser unterbezahlte Beruf mal so viel Aufmunterung und Bestätigung? Der Typ auf der Bühne trägt ein Superhelden-T-Shirt – und für seine Gäste hat er Superhelden-Sticker parat.

Yves Macak als R-Zieher: 13. 5., 18.–20. 6. im Kookaburra, Schönhauser Allee 184, 21. 6. bei den Wühlmäusen, Pommernallee 2–4