BerlinDer Name Alfred Brendel tönt aus einer vergangenen Zeit herüber. Heute vor 90 Jahren geboren, verabschiedete sich der Pianist bereits 2008 von den Konzertpodien, um Gedichte und Essays zu schreiben, öffentlich zu lesen und zu unterrichten. Auf unzähligen Aufnahmen bewahrt ist sein Spiel heute in einem tiefen Sinn verklungen, und wird selbst in seinem begabtesten Schüler, dem intellektuell leistungsfähigen Kit Armstrong, nicht wiederauferstehen. 

Für Brendel war der Charakter des Stücks der zentrale Ansatzpunkt der Interpretation. Dies ist zu unterscheiden von jenem „Ausdruck“, der die Genie-Gesten und Romantizismen vieler der heutigen Virtuosen prägt. Wird hier zum Entzücken des Publikums eine imaginäre Künstler-Ikonografie der Jahrhundertwende aufgegriffen, die im Pianisten die Verkörperung der Musik sehen will, so prägte Brendels Spiel eine gewisse körperliche Distanz zu Klavier und Werk.

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