Ungewöhnliches Stadtmöbel: Der weiß gekachelte Tresen von Bildhauer Simon Mullan in der Grünanlage an der Ecke zur Almstadtstraße
Foto: S.Mullan/Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz e.V. /Galerie Dittrich & Schlechtriem/J.Ziehe

Großstadtmorgen zu Sommeranfang. Unterm Blätterdach der Ahornbäume auf der zipfelförmigen  Grünanlage am Rosa-Luxemburg-Platz schimmert ein langgestrecktes Gebilde. Was ist das, was da im Grase steht? Sieht aus wie ein Tresen. Ist auch einer. Obenauf steht einsam eine leere Bierflasche, Rest einer nächtlichen Sause.

Auf den berühmten Stadtplatz, der nach Rosa Luxemburg benannt ist, auf dem die Volksbühne steht und auf dem neuerdings soviel demonstriert wird, hat der Berliner Bildhauer Simon Mullan seine weißgekachelte Skulptur „Popularis“ - einen „Volkstresen“ im Auftrag des Kunst- und Kulturvereins Rosa Luxemburg-Platz udn von diesem finanziert - gestellt: als geometrisches Stadtmöbel zum Benutzen, als Bar im Freien für spontanes, aber auch (bei den Demos) deeskalierend freundliches Zusammenkommen. Läden, die Bier und Bionade verkaufen, gibt's ringsum genug. Und am Tresen, mit Leuten aller Couleur, aller politischen Denkweisen - und aller möglichen Auffassungen auch über Kunst, debattiert es sich doch gleich viel angenehmer.

Der in Berlin lebende Künstler, geboren in Wien und mit irischem Vater, ist unübersehbar ein Anhänger des Minimalismus. Sein Tresen braucht keine Schnörkel und auch keine Schnapsflaschen. "Popularis" im Grünen mitten in der Stadt ist ein Angebot zum Diversitäten schätzenden Miteinander, sogar in Corona-Zeiten.

 Rosa-Luxemburg-Platz/Ecke Almstadtstr. bis 30. Oktober 2020