Der Mensch isst und trinkt, verwertet die Nahrungsmittel und Getränke, kann aber nicht alles bei sich behalten. Die Toilette gehört deshalb zu den segensreichen Erfindungen. Doch wie jeder weiß, ist die Qualität nicht überall gleich. Manchmal liegt es an den Ansprüchen, manchmal am Reinigungspersonal, meistens an den Wohnverhältnissen. In meiner ersten eigenen Wohnung in Prenzlauer Berg lag die Toilette außerhalb der Wohnung eine halbe Treppe höher, immerhin musste ich sie mit niemandem teilen. Im Winter war es eisig dort.

Es ist eine Nachricht aus Israel, die mich an meine Jugend zurückdenken lässt: „Forscher finden in Jerusalem antike Privattoilette“. Meine Jugend liegt zwar nicht ganz so lange zurück wie die Zeit, auf die sich die dpa-Meldung bezieht, aber immerhin. Damals war ich mit Freundinnen unterwegs durchs wilde Usbekistan, vom Flugzeug stiegen wir in Taschkent in einen wackligen Bus um.

Was verbirgt sich hinter der Tür?

Auf Reisen werden die Ansprüche an sanitäre Verhältnisse ja oft auf die Probe gestellt. Und in der Sowjetunion hatten wir schon einiges kennengelernt. Der Bus führte ins sagenumwobene, an Prachtbauten reiche Samarkand. Die Familie unserer Freundin wohnte am Stadtrand. Nach langer Fahrt durchgeschüttelt, sehnten wir uns nach einer Toilette. Beim Zuhause von Nargis angekommen, wies sie uns zu einer Holztür im Innenhof des einstöckigen Baus.

Hinter der Tür befand sich nichts, nur grauer Boden, feste Erde oder Lehm. Und dann war da ein Loch. Aus der dpa-Meldung vom Jerusalemer Toilettenfund geht hervor, dass die Archäologen ihre Entdeckung auf das siebte Jahrhundert vor Christus datieren. Die Toilette sei ein quadratischer Block aus Kalkstein mit einem Loch in der Mitte. Darunter liege eine aus dem Felsen gehauene Klärgrube. Der Ausgrabungsleiter nennt es einen sehr seltenen antiken Fund, denn nur die Reichen konnten sich Toiletten leisten. Das ist bis heute so. Am 19. November ist wieder Welttoilettentag.