Am letzten Tag wollte ich einen Laib des schwarzen Roggenbrots kaufen, das in Litauen Grundnahrungsmittel ist. Eine Art Nationalbrot aus Sauerteig, mit ordentlich Kümmel versetzt, das rugine duona. Ein gutes Mitbringsel, wie ich fand. Die meiner Unterkunft in Kaunas, der zweitgrößten Stadt des Landes, am nächsten gelegene Bäckerei befand sich in einem großen Einkaufszentrum. Am Eingang wachte ein ältere Herr, er verlangte meinen Impfpass. „Green Pass“, wiederholte er mehrmals. Ich musste wieder abziehen, hatte ich für den Sprung über die Straße mein Handy nicht eingesteckt, und war ich doch bisher in kleineren Bäckereien nicht nach dem Zertifikat gefragt worden. Eine Maske hatte genügt. Der ältere Herr schüttelte den Kopf mit aufrichtigem Bedauern.

Trockenes Brot und kalter Hering

Diese kleinen Bäckereien und Lebensmittelgeschäfte sind so ziemlich die einzigen Orte im Land, in denen man ohne Impfausweis Zutritt erhält. Selbst einen Second-Hand-Laden in Vilnius kann man nicht betreten, ohne nach dem Ausweis gefragt zu werden. Von Restaurants oder Bars ganz zu schweigen. Wenn man als Tourist nicht nur trockene Brötchen oder kalten Hering aus der Dose auf einer Parkbank essen möchte, würde man glatt verhungern. Eine warme Mahlzeit ist jedenfalls nicht drin. Aber in diese Lage kann man eigentlich gar nicht geraten. Man kommt ja erst gar nicht in das Land hinein, ohne gegen Corona geimpft zu sein. Hätte ich bei der entsprechenden Kontrolle am Flughafen passen müssen, sie hätten mich umstandslos in nächste Flugzeug zurück nach Berlin gesetzt.

Dass man die Deutschen mal als locker bezeichnen würde, hätte man auch nicht gedacht. Am BER gelandet, gelangen wir vollkommen unbehelligt zum S-Bahnhof. Der Zug ist schon fast am Ostkreuz, da piept mein Telefon. Eine SMS von höchster Stelle! „Die Bundesregierung: Willkommen/Welcome. Bitte beachten Sie die Test-/ Quarantäneregeln.“ Wo die wohl meine Nummer herhaben?