Als in den Jahren 1988 und 89 die Studierenden in Berlin gerade nicht studierten, sondern sich im Streik befanden, saßen die Herren Winter, Böttcher, Hansen und ich ein ums andere Mal im Germanistikbüro der FU herum und vertrieben uns auf äußerst amüsante Art und Weise die Zeit: Wir tranken in erheblichem Maße Bier und lasen uns dabei reihum aus Eckhard Henscheids „Trilogie des laufenden Schwachsinns“ vor – eine Betitelung im übrigen, die dem Meister später gar nicht mehr so recht war.

Jeder von uns besaß diesen kultigen orangefarbenen Schuber von Zweitausendeins. Was uns daran so faszinierte, war die exakte Wiedergabe der alltäglichen Unvernunft, wie sie, mal durch furioses Verliebtsein, mal durch übermäßiges Saufen ausgelöst wird und das gesamte Umfeld in ein entspanntes Chaos prügelt. – Weder die Liebe, noch der Alkohol waren uns fremd. Die möglichen Folgen von beidem beschreibt Henscheid in überaus komischen Episoden. Selbst dann noch komisch, wenn im ersten Roman der liebeskranke Herr Jackopp am Ende spurlos verschwindet und im zweiten der vom Alkohol gezeichnete Alfred Leobold sich erschießt. Uns schreckte das nicht. Wir waren jung.

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