Einverleibung: Still und leise

Berlin - Bis vor wenigen Jahren ging selbst Medienbeobachtern der Name Südwestdeutsche Medienholding oder gar ihr Kürzel, SWMH, nicht stotterfrei über die Lippen. Das änderte sich schnell, als die verschwiegene Verlagsgruppe Eigentümer der Süddeutschen Zeitung (SZ) wurde und plötzlich zum zweitgrößten deutschen Zeitungsverlag aufgestiegen war – nach Springer zwar, aber vor bekannten Größen wie der WAZ-Gruppe oder M. DuMont Schauberg (MDS), zu der auch diese Zeitung gehört.

So ähnlich mag es nun manchem mit dem Namen Madsack gehen, der glaubt, das sei irgendein Provinzverlag aus Hannover. Weit gefehlt. Still und leise hat sich Madsack nicht nur zum sechstgrößten deutschen Zeitungsverlag, sondern zu einem veritablen nationalen Medienunternehmen gemausert, dessen Flickenteppich aus Zeitungen von Hessen über Niedersachsen nach Mecklenburg-Vorpommern bis Sachsen reicht.
Zum Jahreswechsel wird das Haus – unter der Voraussetzung, dass das Bundeskartellamt den Kauf genehmigt – außerdem Eigentümer der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). Der Kaufvertrag wurde am vergangenen Freitag besiegelt. Der Stellenwert der regionalen MAZ mag nicht vergleichbar sein mit der Süddeutschen Zeitung, der Abonnementzeitung mit der höchsten Auflage in Deutschland. Aber, immerhin ist die MAZ die größte Abonnementzeitung Brandenburgs. 136 000 Exemplare verkauft sie im Umland Berlins aktuell und rangiert damit deutlich vor der Lausitzer Rundschau und der Märkischen Oderzeitung im Osten Brandenburgs.

Hoher Investitionsbedarf

Verkauft wurde die Märkische von der FAZ-Gruppe, die sich damit auf ihre beiden nationalen Blätter Frankfurter Allgemeine und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung konzentriert. Nebenbei hat sie sich damit aus der Verantwortung gezogen, Investitionen für die MAZ-Druckerei aufbringen zu müssen. Man sieht es dem weitgehend in schwarz-weiß gedruckten Blatt an: Eine neue Rotationsanlage muss angeschafft werden, die dem Geschäft mit Farbanzeigen Rechnung trägt und für Produktionssicherheit sorgt. „Der Umfang der Investition ist nachhaltig von möglichen zusätzlichen Druckaufträgen abhängig“, hieß es 2009. Immerhin: Auch künftig werden ein Teil der Auflagen von FAZ und FAS bei der MAZ gedruckt werden. Dieser Auftrag ist sicher.

Wer aber steckt hinter Madsack, diesem 1893 gegründete Verlag, der aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) hervorgegangen ist? Den Namen verdankt das Haus zwar August Madsack, und noch immer sitzen Erben von ihm im weit verzweigten Gesellschafterkreis. Mit gut 23 Prozent größter Anteilseigner ist jedoch die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, kurz DDVG.Die parteieigene Medienholding der SPD ist gemeinsam mit Mehrheitseigentümer M. DuMont Schauberg auch Anteilseigner der Frankfurter Rundschau. Madsack ist für die SPD-Kasse ein Gewinnbringer: 608 Millionen Euro Umsatz erwirtschafteten die 4300 Madsack-Mitarbeiter im vergangenen Jahr. Der Jahresüberschuss lag bei 10,7 Millionen Euro.