Elke Sadas „Capriccios“. Unter der gegossenen Ton-Oberfläche schlummern die Gemälde.
Foto: Studiogalerie/ Jan Linkersdorff

Berlin - Farbfelder, Geometrien und minimalistische Zeichen hat die Malerin Elke Sada auf Gipsplatten gesetzt, dann hauchdünn keramische Masse darüber gegossen. Ein raffiniertes Verfahren, wo das Bild dann an der Keramik haftet. „Capriccio“ nennt sie es. Den Begriff prägte der alte Vasari, im 16. Jahrhundert Kunstschriftsteller am Hofe der Medici in Florenz. Er bezeichnete so den absichtlichen, lustvollen Regelverstoß, die fantasievolle spielerische Übertreibung und das Ignorieren der akademischen Normen, ohne sie außer Kraft zu setzen. Mit anderen Worten: Es geht auch um die Freiheit der Kunst. Und um Schönheit.

Solange das Material weich war, schnitt Elke Sada Stücke aus der Fläche und baute daraus im Alltag benutzbare Gefäße wie ein- oder mehrstöckige Rundformen. Dann trug sie eine Glasur auf und brannte die Gebilde. Die leuchtenden Farben sind ihr Geheimnis, es ist wohl die auf den Punkt gebrachte Mischung aus Pigmenten, Glasur und Brennvorgang. Sadas Formensprache ist unverkennbar. Diese Gefäßoberflächen, die als Gemälde unterm Gieß-Ton schlummern und für die es schon etliche Preise gab, sind der Hingucker in der Herbst-Schau der Studiogalerie Friedrichshain, einer wichtigen Plattform für angewandte Kunst.

Ganz ähnlich die Idee des Schmuckgestalters Jürgen Kreuchauff. Er verarbeitet Gemälde zu Schmuck: Kettenanhänger, Armreife, Ohrringe. Die Bilder malt Kreuchauff auf Acrylplatten. Unter gewaltigem Druck werden die Pigmente in die erwärmte Acrylplatte gepresst. Dann zerteilt er die Bilder – blau wie der Himmel im Sommer und rostrot wie die Herbstfarben – in kleine Stücke und fasst sie in einer auf solche Verfahren spezialisierten Manufaktur in Silber oder Gold. Da werden Schönheitssucher fündig.

Studiogalerie für angewandte Kunst, Frankfurter Allee 36 A, bis 31. Oktober Di–Fr 10–19/Sa 10–16 Uhr