Ein Kinderfilm macht Schulpolitik – das gibt es nur in Finnland. Ebendort im Bildungsmusterland erscheint dem zuständigen Schulamtsleiter ein luziferischer Besucher mit garstigem Befehl: Alle kleinen Schulen schließen, eine große für alle genügt! „Aber kleine Schulen sind doch viel besser“, kann der Mann noch röcheln, doch zu spät. Kurz darauf wandeln unsere kleinen Helden durch ein beängstigendes Riesengebäude, in dem ein Mädchen seit zwei Wochen seine Klasse sucht.

Doch Ella und ihre Bande wären nicht die beliebten Kinderbuchstars, die sie auch hierzulande sind, ließen sie die Fehler der Erwachsenen einfach auf sich sitzen. Es wird nun etwas konfus: Die Knirpse müssen zunächst „den Lehrer befreien“, der entführt wurde, und mit ihm anschließend ihre kleine Schule retten. Dazu gehen sie als „Präsidenten“ verkleidet zur Polizei; angeklebte Schnauzbärte verschaffen die nötige Autorität.

In ähnlicher Montur versuchen sie außerdem einen Sportwagen zu kaufen, um den Gegner auf eigenem Feld zu schlagen – der Bösewicht plant den Bau einer Formel-1-Strecke direkt durch das Schulgelände! Sein Geld hat er mit Sportwetten gemacht, er ist also wirklich sehr, sehr böse.

Treue Leser der Geschichten von Timo Parvela werden das alles verstehen. Mit Pippi Langstrumpf und dem kleinen Nick wurden diese schon verglichen, was etwas hoch gegriffen ist. Aber der Verzicht auf jede Erwachsenenlogik tut auch dieser ersten Verfilmung gut. Explodierende Klopse spielen eine Rolle. Alles rennt wild hin und her.

Fast meint man, neben den Erwachsenen sei auch die Regie praktisch abwesend, so gut hat Taneli Mustonen seine Arbeit gemacht. Auch mit ulkigen Zeitraffereffekten setzt er ganz auf Slapstick. Da freut sich der Stummfilmfreund wie ein kleines Kind und käme nie auf die Idee, hier sei nichts zu sehen als zynische Vermarktungslogik. Dazu ist alles viel zu kompliziert und absurd, fast wie Schulpolitik.

Gut gefallen hat uns auch der Darsteller des Bösewichts. Der Mann, der vorläufige Siege mit rumpelstilzchenartigen Tänzchen abfeiert, heißt Kari Ketonen. Er hat das traurigste und zugleich lustigste Gesicht des jüngeren europäischen Films.

Das finnische Leiden an der Welt, die einem nie so recht gehorcht – man hat es allzu lange vermisst. Daher sei hier auch nicht auf die schon abgedrehte Fortsetzung verwiesen, sondern ein perspektivischer Weihnachtstipp ausgesprochen, ganz ausnahmsweise: Kinder, denen dieser Film gefällt, sind in zwei bis vier Jahren reif für die Aki-Kaurismäki-Geschenkbox.

Ella und das große Rennen (Ella Ja Kaverit) Finnland 2012. Regie: Taneli Mustonen, Drehbuch: Taneli Mustonen, Timo Parvela, Aleksi Hyvärinen, Darsteller: Pamela Tola, Ville Virtanen, Kari Ketonen u.a.; 81 Minuten, Farbe. FSK o. A.