Aus weiß bemalter Bronze: erschöpfter Tennisspieler namens Kev von Elmgreen&Dragset
Foto:  König Galerie/Roman Maerz

BerlinDie Galerien der Stadt sind aus dem Corona-Stillstand erwacht und zeigen Kunst wieder live. Um das auch kundzutun, gibt es am 24. Mai ein Sunday Open, als Zeichen: Wir stellen wieder aus, wir erwarten Besuch.

Etwas Besonderes an diesem Galeriensonntag dürfte die neue Ausstellung „Short Story“ in der König Galerie St. Agnes sein. Das auf den Biennalen der Welt gefragte skandinavische Duo Elmgreen & Dragset hat den oberen Teil des einstigen Kirchenschiffs zu einem in Halbdunkel getauchten Tennisplatz verwandelt, orange das Spielfeld, grellweiß und wie mit dem Lineal gezogen die Seitenlinien, Markierungen für festgelegte Regeln.

Zwei Figuren im weißen Tennis-Dress, ein Knabe und ein Halbwüchsiger, haben das Match ausgetragen. Der kleinere liegt erschöpft, fast erstarrt mit dem Gesicht nach unten auf dem Platz, den Tennisschläger neben sich. Der marmorne Ball ist einsam aufs Spielfeld gekullert, das Netz teilt gleichgültig den Platz, da liegt ein Verlierer.

Aber auch der Sieger mit dem Pokal, der uns Betrachtern den Rücken zudreht, sodass wir am Spielfeld entlanggehen müssen, um ihm ins Gesicht zu schauen, sieht nicht glücklich aus. Traurig, mit leerem Blick, betrachtet er den silbrig glänzenden Siegerpokal. Sein Gegner ist erledigt, der Stärkere hat den Schwachen zur Strecke gebracht.

Üblich im Sport. Aber im gesellschaftlichen Alltag? Ein altes Sprichwort kommt mir beim Anblick der Parabel in den Sinn: Ruhm ist ein Ross, das ohne Reiter vor dem Höllentor ankommt.

Elmgreen & Dragsets trauriger Gewinner namens Flo.
Foto:  König Galerie/Roman Maerz

Die unbehagliche Szene hält als Standbild jenen symbolisch aufgeladenen Augenblick nach Sieg und Niederlage fest. Man steht wie gefesselt und auch irritiert davor, erfasst das Geschehene – und erzählt für sich die Geschichte weiter. Short Story. Einer ist raus aus dem ewigen Spiel um Ruhm, Ehre, Gewinn, Macht. Aber eigentlich gibt es nur Verlierer. Der Dialog ist abgebrochen, der Schwächere ist erledigt. Es kommt keine Freude auf.

Elmgreen & Dragset – seit 1995 Wahlberliner, 2002 mit dem Preis der Nationalgalerie ausgezeichnet – sind bekannt für ihre hyperrealen Figuren. Früher oft aus Polyester, sind diese hier aus Bronze gegossen und weiß bemalt. Immer sind ihre Gestalten als Gleichnisse lesbar, als Geschichten darüber, wie Menschen in der modernen Gesellschaft dem Leistungsdruck, der Konkurrenz unterliegen, und wie die Starken mit den Schwachen umgehen. Darin besteht die subtile und zugleich mit hartem, unromantischem Anschlag ausgedrückte politische Botschaft solcher figürlicher Installationen.

König Galerie, St. Agnes, Alexandrinenstr. 118-121, Di-Sa 10-18 Uhr, So 12-18 Uhr.
Das Angebot der 42 teilnehmenden Galerien am Sunday Open, 24. Mai 2020, 11–17 Uhr unter: www.indexberlin.de/galerien