Berlin - Die Nachrichten, die in den vergangenen Tagen über Elton John zu hören waren, klangen nicht gut. Im April erkrankte der 70-jährige Musiker auf seiner Südamerika-Tournee an einer seltenen und potenziell tödlichen Krankheit. Ärzte behandelten ihn zwei Tage lang auf einer Intensivstation. Der Mann trägt einen Herzschrittmacher. Zwei Konzerte fielen aus.

Vor ein paar Tagen verurteilte ein Londoner Gericht einen 19-jährigen lslamisten, weil er vor einem Jahr einen Massenmord auf einem Konzert im Londoner Hyde-Park geplant hatte. Elton John hatte dort vor 50.000 Zuschauern gespielt. Es war der 11. September 2016, 15. Jahrestag der islamistischen Terroranschläge in den USA. Der junge Mann wollte mit einem Maschinengewehr und einer selbst gebauten Nagelbombe die Elton-John-Fans in London töten.

Keine Landeerlaubnis wegen G20-Gipfel

Und dann sagte der Musiker auch noch seinen Auftritt am Sonnabend in Hamburg ab. Das Konzert war ausverkauft, doch Johns Tourflugzeug hatte wegen der hohen Sicherheitsbestimmungen anlässlich des G20-Gipfels keine pünktliche Landeerlaubnis bekommen. Politik ist dann eben wichtiger als Pop.

Diese Gedanken gehen einem so durch den Kopf auf dem Weg zur Mercedes Benz Arena am Ostbahnhof, wo Elton John am Freitagabend vor 12.000 Gästen aufgetreten ist. Niemand murrt über die peniblen Kontrollen der Security an den Eingängen. Um kurz nach halb acht betritt dann Elton John die Berliner Bühne.

Bei "The Bitch is Back" springen die Fans auf

Seine Fans in der Halle - ein überwiegend älteres Publikum, meist Pärchen und Freundinnen - springen gleich beim ersten Song auf, kreischen und jubeln. Elton John, der Sir, setzt sich bedächtig ans Klavier, er startet mit „The Bitch is Back“, ein Song aus dem Jahr 1974. Mit dem Spruch kommentierten früher Freunde des Musikers seine berüchtigten Schlechte-Laune-Anfälle.

Das ist lange her. Gut gelaunt und routiniert spielt Elton John zwei Stunden lang. Ohne Pause. Seine Stimme ist immer noch kräftig. Der Blondschopf mit Brille trägt ein rotes Hemd, einen paillettenfunkelnden Frack, auf dem Rücken hat er sich die das Wort Fantastic aufsticken lassen.  

Elton John und seine Spaßbrille

Seine extravagante, getönte Brille bedeckt das halbe Gesicht. Sie sieht aus wie eine Spaßbrille zum Fasching, wird allerdings etwas teurer gewesen sein. Elton John liebt Kunst, Porzellan, Schmuck und - getönte Brillen. Sie sind das Markenzeichen des Millionärs. Sein Vermögen wird auf 250 Millionen Euro geschätzt. Die Brosche am rechten Ohr sieht auch sehr teuer aus. Und erinnert an die Queen.

Die Band besteht aus älteren Herren in feinen Anzügen, sie spielt laut und verlässlich. Am Schlagzeug sitzt Nigel Olsson, der seit 1969 mit dabei ist. Gitarrist Davey Johnstone lässt sich häufig ein neues Instrument bringen, er hat ganz viele Gitarren.

"Good evening, Berlin!"

Elton John redet nicht viel, er sagt nur ein kurzes „Good evening, Berlin!“, dann folgen ein paar Songs seines jüngsten, 30. Studioalbums „Wonderful Crazy Night“, das im Februar 2016 erschienen ist. Doch die meisten Songs des Abends sind nun mal seine Hits: „Bennie And The Jets“, Take Me To The Pilot“, „Crocodile Rock, „Your Song“, „Sad Sond“, „Have Mercy On The Criminal“. Und "I'm Still standing" - als wäre es eine Botschaft an seine Fans.

Elton Johns Finger flitzen über die Klaviertasten, die Zuschauer sehen das auf zwei großen Leinwänden. Er soll ja schon als Vierjähriger auf dem Schoß seiner Großmutter Klavier gespielt haben. Bis heute hat der Mann 400 Millionen Tonträger verkauft. Jedes Album wurde mit einer Goldenen Schallplatte gewürdigt. 

Und dann erinnert er an George Michael

Nach einer Stunde verlässt die Band dezent die Bühne. Elton John spielt jetzt allein am Klavier, die Scheinwerfer sind auf ihn gerichtet. Es ist ein langes Solo, später wird daraus „Rocket Man“, der Raketenmann erschien 1972. Auf der großen Leinwand erscheint das Bild des Erdballs, er dreht sich schnell. Sir Elton John singt mit Pathos, das ist ein emotionaler Moment und gefällt den Zuschauern. Sie erheben sich. Da verlässt auch Elton John zum ersten Mal seinen reduzierten Aufenthaltsbereich am Klavier und bewegt sich mit kleinen Tippelschritten über die Bühne. Der Mann ist ja nicht groß. Später erscheint noch ein Porträt von George Michael auf der Leinwand, der Musiker starb im Dezember 2016. Elton John singt seinen Song „Don‘T Let The Sun go Down On Me“. Rot ist die bestimmende Farbe auf der Leinwand. Feuer und brennende Herzen.

Nach zwei Stunden folgt eine kurze Autogrammrunde für die Fans in der ersten Reihe, Elton John kritzelt seinen Namenszug auf Alben, T-Shirts, Fotos und Eintrittskarten. Eine Zugabe folgt.

"Candle in the Wind" darf nicht fehlen

„Candle in the Wind“, geschrieben zum Tod von Lady Dina, die meistverkaufte Single der Welt. Elton John trägt jetzt eine andere Brille.

„Wunderful Crazy Night“ hat Elton John seine aktuelle Tour genannt. Das klingt nach wilder Party bis zum Morgen, ist dann aber doch ein frühes Zubettgehen. Kurz nach halb zehn ist alles vorbei. Draußen ist es noch hell. Nichts ist passiert.