Diana Rigg (1938–2020) als Emma Peel.
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In den Hosenanzügen, ledernen Catsuits und coolen Booties, zu denen sie die energisch gezogene Pistole wie ein modisches Accessoire trug, wurde Diana Rigg in den 1960ern schnell zur Sehnsuchtsfigur pubertierender Jugendlicher. Die hatten ihre sexuelle Neugier bis dahin bevorzugt in den Versandkatalogen der Modehäuser Otto und Neckermann zu beruhigen vermocht, ab Mitte der Sixties aber geriet ihre erotische Phantasie in den Bann von Diana Rigg alias Emma Peel. Allein der Name jener Frauenfigur, die sie in der Krimiserie „Mit Schirm, Charme und Melone“ verkörperte, verlieh ihr etwas Forsches und Schnittiges, das es in der deutschen Unterhaltungskultur bis dahin so nicht gegeben hatte. Sie passte gut zu den schnellen Autos, die damals ebenfalls aus Großbritannien kamen.

Zum Erfolg der Serie trug nicht zuletzt auch das mit skurriler Ironie entworfene Pendant bei, das ihr Schauspielpartner Patrick Macnee als distinguierter Gentleman abgab. Schirm, Melone und eine trockene Steifheit waren sein Part. Diana Rigg aber brachte neben ihrer – für die Zeit recht provokative – Sexiness eine große Portion Witz und Schlagfertigkeit ein, die über die kriminalistische Handlung des Seriengeschehens dominierte. Emma Peel war vor allem ein ikonografisches Ereignis, und die Macher der späteren Video- und Computerspielfigur Lara Croft (im Film dargestellt von Angelina Jolie, danach von Alicia Vikander) dürften sich an ihr ein Beispiel genommen haben zum Entwurf der die Bildgeschichte der 1960er prägenden Figur einer amazonenhaften Kämpferin .

Der Typ für Mittelscheitel, Lidstrich und Hosen: Diana Rigg 1970 beim Rollenstudium.
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Die Ausstrahlung einer modernen, emanzipierten Frau war im Fall von Diana Rigg keineswegs nur das Attribut einer Rolle. Die 1938 in Doncaster als Tochter eines Eisenbahningenieurs geborene Rigg war äußerst selbstbewusst und setzte sich, wenn die Kameras abgeschaltet waren, für die bessere Bezahlung weiblicher Darsteller ein. Es sei äußerst deprimierend, sagte sie 2019 in einem Interview, dass man in der Filmbranche noch immer über einen Gender Pay Gap diskutiere. Im Kontext einer deutschen Emanzipationsgeschichte ist zumindest bemerkenswert, dass das Rollenklischee der Emma Peel nicht unbedingt den feministischen Vorstellungen einer Alice Schwarzer entsprach; aber zumindest unbewusst könnte Miss Peel auch Namenspatronin der 1977 von Schwarzer gegründeten Frauenzeitschrift Emma gewesen sein.

Diana Rigg, die bis zu ihrem 8. Lebensjahr in Indien lebte, hatte zwischen 1955 und 1957 Schauspielkunst an der Royal Academy of Dramatic Art studiert und ihr Bühnendebüt in Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“ gegeben. Zu ihrer beachtlichen Karriere gehört zweifellos auch eine Rolle in der 007-Reihe, wo sie an der Seite von George Lazenby als Geheimagent James Bond die einzige Darstellerin war, die als Ehefrau des notorischen Einzelkämpfers fungierte. Typischerweise mit am Ende tödlichem Ausgang für sie. 

Einmal Ikone – immer Ikone. Zwei Altersrollen werden auf immer mit Diana Rigg verbunden bleiben: Sie trat in der englischen Science-Fiction-Serie „Doctor Who“ ebenso auf wie in der Fantasy-Saga „Game of Thrones“. Am Donnerstag ist Diana Rigg nun im Alter von 82 Jahren in London gestorben.