Berlin - Tue Gutes und rede nicht darüber. Der alte biblische Spruch von der Uneigennützigkeit wird derzeit großmütig beherzigt von mehr als einem Dutzend zeitgenössischer Berliner Künstlerinnen, die mitten im Corona-Lockdown und bei sehr eingeschränkten Kunstverkaufschancen dennoch eine Benefiz-Auktion ermöglichen. Sie gehören dem Verein Berliner Künstlerinnen 1867 e. V. an und spenden mehr als 100 Werke. Die einst am Askanischen Platz befindliche Zeichen- und Malschule dieses fortschrittlichen, dem reaktionären Geiste des Kaiserreiches entgegengesetzten Frauenbundes, ermöglichte einst Käthe Kollwitz eine professionelle Ausbildung, denn der Zugang zu staatlichen Kunstakademien war Frauen bis 1919 strikt verwehrt. Mitglieder des Vereins waren neben der Kollwitz auch Charlotte Berend-Corinth, Jeanne Mammen, Paula Modersohn-Becker, Marg Moll, Elisabet Ney, Harriet von Rathlef-Keilmann und Gertraud Rostosky. Das Vereinsarchiv wurde 2012 per Vertrag an das Archiv der Akademie der Künste übergeben.

Lotte Laserstein: „Frau, sich auf den Arm stützend“, undatiert, Graphitstift auf Papier (Skizzenblock).
Foto: VG Bild-Kunst 2020/ Jeschke van Vliet Auctions Berlin GmbH/Patrick Hertel

Doch obwohl der emanzipierte Verein zu den ältesten Kulturinstitutionen Berlins gehört, hatte er seit 1945, als ihr Haus in Trümmer fiel, nie mehr eigene Räume, hatte als Partner nur die Berlinische Galerie, die selbst mit ihren großen Sammlungen und Archiven unter Platzmangel leidet. Ausstellungen des Vereins konnten daher – wie zuletzt im Sommer während der Corona-Lockerungen im Käthe Kollwitz-Museum – nur bei Gastgebern stattfinden. Diese leidige Situation des Bittstellens soll sich nun durch den erhofften Auktionserlös ändern. Kommt genug Geld zusammen, kann endlich ein Domizil gesucht, gemietet oder sogar gekauft werden. Bekannte Malerinnen und Bildhauerinnen wie Elvira Bach, Angela Hampel, Valérie Favre, Sabine Hermann, Hanna Hennenkemper, Tania Bedrinana und Maja Rohwetter geben dafür ihre Bilder her. Hinzu kommen von Sammlern gespendete Arbeiten historischer Mitgliederinnen wie Käthe Kollwitz, Sella Hasse, Jeanne Mammen, Hannah Höch und Lotte Laserstein.

Katharina Moessinger: „Pinsel“, 2020, Roßhaar.
Foto: Jeschke van Vliet Auctions Berlin GmbH, Fotograf: Patrick Hertel

Das vor 30 Jahren gegründete Berliner Auktionshaus Jeschke van Vliet Auctions verbindet just zum Jubiläum als Förderer die Benefiz-Versteigerung für den Verein Berliner Künstlerinnen uneigennützig mit seiner obligatorischen Herbstauktion. Zu deren Aufgebot zählen attraktive Originalwerke etwa von Avantgarde-Künstlern wie George Grosz, Francis Bacon, Arman, Jean Tinguely, Alex Katz, Al Hansen und dem ostdeutschen Figurenmaler Willi Sitte.

Auktion, Auktionshaus Jeschke van Vliet, Lehrter Straße 57, Haus 1, am Freitag, den 6. November 2020, 15 Uhr. Die Auktion findet vor Ort und auch online statt, bitte nur nach Anmeldung: info@jvv-berlin.de oder telefonisch: 22667700