Ein Kino mit Leerreihen.
Foto: dpa/Martin Schutt

BerlinAn dieser Stelle muss ich privat anfangen, verspreche aber, mich einer Sache von öffentlichem Interesse zu widmen. Vermutlich werden es einige hochgeschätzte Leser dieser Zeitung durch mein Gejammer in den Wochen der strengen Coronavorsichtsmaßnahmen ohnehin gemerkt haben: Es waren vor allem Kinobesuche, die mir zum Wohlbefinden fehlten. Nach bewegenden kühlen Stunden in den Frischluftkinos in der Hasenheide und am Bethanien habe ich mir nun endlich in einem der vielen Kinos meines Vertrauens zwei Karten gekauft und einen langen schönen Abend verbracht. Lang war er, da ich – wenn schon, denn schon – mit „Harriet“ und „Der Fall Richard Jewell“ gleich zwei Vorstellungen hintereinander besuchte, sozusagen ein Themenabend in US-amerikanischer Geschichte.

Man darf wieder ins Kino gehen, und es tut gar nicht weh. Die Menschen bei der Einlasskontrolle tragen Mund-Nasen-Bedeckungen, wie sie auch für die Zuschauer vorgeschrieben sind. Doch anders als im öffentlichen Nahverkehr oder in der Bahn darf man beim Sitzen die Maske abnehmen. Das Filmerlebnis ist also im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie nicht geschmälert. Auf der großen Leinwand, mit der anständigen Tontechnik, vor allem ohne die üblichen Ablenkungen des häuslichen Umfelds kann sich die Erzählung so richtig entfalten. Lachen und Weinen sind erlaubt. 

Das Kinoerlebnis hat sich sogar verbessert: Die Luft beim Betreten des Saals wirkt frisch desinfiziert. Man kann bedenkenlos seine Tasche auf den Sitz neben sich stellen, denn der bleibt genauso frei wie der nächste. Auch müssen sich großgewachsene Menschen nicht wegen der kleiner geratenen Zuschauer hinter ihnen Sorgen machen. Es bleibt ja jede zweite Reihe unbesetzt. Die Getränke- und Knabbersachenschlange wird schnell kürzer, weil das Popcorn vorab verpackt wurde. Apropos Popcorn: Dessen natürliche Struktur bewirkte, dass ich unangemessene Geräusche machte, das heißt: kurzzeitig ins Husten verfiel. Sicherheitshalber habe ich mich laut entschuldigt.