Die Sammler-Familie Axel, Barbara und Sohn Konstantin Haubrok betreiben die Fahrbereitschaft in Lichtenberg.
Foto: Ostkreuz/Sebastian Wells

Berlin - Auf diesen Tag haben sie lange gewartet. Hier in der Stadt und auch weiter weg. Alle – die Kunstszene und ihr Publikum, Museumsleute, Kulturpolitiker und Stadtentwickler, allen voran die Gewerbetreibenden und Künstler vom Lichtenberger Areal der Fahrbereitschaft. Sie befürchteten nämlich schon, nun würden Barbara und Axel Haubrok mit ihrer einmaligen Sammlung internationaler Konzeptkunst dem schnöden Berlin auch noch den Rücken kehren. So wie jüngst die Kunstsammler Mick Flick, wie Thomas Olbricht und schließlich auch Julia Stoschek. Berlin, Stadt der verarmenden staatlichen Museen, wieso vertreibst du die Mäzene?

Lichtenberger Lokalpolitiker – der neue SPD-Stadtrat für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Soziales und Arbeit Kevin Hönicke und Bürgermeister Michael Grunst (Die Linke) gaben am Dienstag im Hauptgebäude der Fahrbereitschaft ihr Bekenntnis zu diesem beispielgebenden Projekt einer Allianz von Kunst und Gewerbe ab. Der Stadtrat hob endlich das nicht nachvollziehbare Ausstellungsverbot auf, das seine Vorgängerin Birgit Monteiro (SPD) im Frühjahr 2018 über das Sammlerpaar verhängt hatte.

Die Haubroks können nun wieder ihre eigene Sammlung temporär ausstellen, sich damit auch erneut an großen Berliner Kunst-Events wie Gallery Weekend, Art Week oder Lange Nacht der Bilder beteiligen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Auch die Künstler in den Ateliers auf dem Gewerbehof dürfen ihre Arbeiten ausstellen und Besucher empfangen. Veranstaltungen mit Publikum sind möglich. Und am Bauantrag für eine moderne Ausstellungshalle für die Haubrok-Sammlungen auf dem Gelände, vor zwei Jahren kategorisch abgelehnt, werde vom Bezirksamt „ergebnisorientiert weitergearbeitet“, heißt es. Alle diese Zusicherungen sind allerdings noch auf keinem Papier gedruckt, unterschrieben und abgestempelt. Aber, so der Bezirksbürgermeister, es sei dies eine „Sache des Vertrauens“ und das Zugesicherte garantiert, egal wer in Zukunft die zuständigen Ämter innehabe. Die Haubroks atmen nun erst mal auf, es geht weiter.

Die eingangs genannten Kunstsammler, die die Stadt, warum auch immer, bald verlassen werden, nehmen samt ihrer Berlin-Enttäuschung „nur“ ihre hochkarätigen Kunstschätze mit. Wären jedoch die Haubroks entnervt weggegangen, bevor es zum im Rathaus langwierig und mühsam erarbeiteten „Letter of Intent“ kam, offiziell als „kooperatives und gemeinschaftliches Engagement für Lichtenberg und den Standort Herzbergstraße“ betitelt, dann wären vor allem die etwa fünfzig Künstler in ihren preiswert gemieteten Ateliers auf dem vom Sammlerpaar Haubrok mit Verve entwickelten Lichtenberger Hof die Gestraften. Dann hätte das 18.000 Quadratmeter-Areal, das als Vorzeigeprojekt gilt und dessen Potenzial Bezirksstadtrat Kevin Hönicke ausgiebig als Beispiel für große Teile der Ansiedlungen von Gewerbe und Kunst in der Herzbergstraße lobt, kaum eine Zukunft mehr.

Das aus Düsseldorf nach Berlin übersiedelte Paar erwarb das sanierungsbedürftige Gelände von einem Besitzer, der keine Lust mehr auf das abgewirtschaftete Gelände des ehemaligen Fuhrparks der DDR-Regierung hatte. Und steckte über vier Millionen Euro hinein, begeisterte mit seiner Idee nicht nur Berlins Kunstszene. Würden die Betreiber der Fahrbereitschaft weiterverkaufen, wäre unter einem neuen Besitzer wahrscheinlich Schluss mit den niedrigen Mieten und ebenso mit der Gemeinschaft der Kreativen, die in Axel Haubrok, in dessen Kunstleidenschaft und zugleich der Bodenständigkeit eines einstigen KFZ-Meister-Sohnes einen zuverlässigen Motor haben. Und es wäre aus mit Haubroks Vision, dem visionären Experiment der Tür an Tür arbeitenden Bildhauer, Maler, Konzeptualisten und Architekten zusammen mit KFZ-Mechanikern, Lackieren, Rahmen-, Boots- und Modellbauern und Tischlern.

Lichtenbergs Lokalpolitik lenkte also um, will die Sammler Barbara und Axel Haubrok in der Stadt halten, diesem Areal der Kreativen eine Zukunft geben. Gesiegt hat die Kompromissfähigkeit über eine vormals unsäglich starre Bürokratie.