Fax – die Kommunikationsformen der Vergangenheit sind in Berlin noch aktiv.
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BerlinNach vier Jahren Pause und zwei Umzügen wollte ich es diesen Montag offiziell machen – endlich wieder Berlinerin sein. Die ohnehin schon chronisch unterbesetzten Bürgerämter arbeiten zu Corona-Zeiten im eingeschränkten Dienstbetrieb. Termine waren seit Monaten ausgebucht. Telefonisch versicherte man mir, dass die Anmeldung auch ohne Termin möglich sei.

Ich komme morgens persönlich vorbei. Noch nicht ganz munter stelle ich mich 25 Minuten vor offiziellem Dienstbeginn in die Reihe. Hinter mir der Lärm der Frankfurter Allee, vor mir acht andere Terminlose. Was die wohl hertreibt? Die Zeit vergeht und ich bin dran. Aber: Ohne Termin keine Anmeldung. Ich könne alle Unterlagen auch per Post, E-Mail oder Fax einreichen.

Wie bitte? Per Fax? Ich bin in diesem Jahr 30 geworden. Faxe haben für mich ähnlich viel Charme wie Festnetztelefone mit Schnur. Angestaubte Relikte von früher, die zu Hause immer wahnsinnig viel Platz weggenommen haben und jedes Mal irre laut waren. Nutzt den Kram heute noch jemand? In Berlin anscheinend schon.

Aber man sollte nicht zu früh in Häme verfallen! Deutsche Firmen lieben das Telefaksimile, so der vollständige Name. Der Digitalverband Bitkom fand heraus, dass zwei Drittel aller befragten Unternehmen das Fax häufig zur Kommunikation nutzen, nur die E-Mail wird noch öfter genutzt. Video-Call oder Smartphone liegen abgeschlagen dahinter. Eine Technik, die vor fast 180 Jahren in Schottland entwickelt wurde – in Deutschland ist sie lebendig. Gleichzeitig gaben drei von zehn Jugendlichen zu, noch nie etwas von einem Faxgerät gehört zu haben. Zurück in die Zukunft? Eher nicht.

Dennoch: Das Fax hat etwas Nostalgisches. Wenn es Kopierläden für Kopien gibt, finde ich sicher auch einen Faxladen. Dann würde ich da hineinspazieren, meine Unterlagen in das Monstrum stecken und die Nummer vom Amt wählen. Dann dem Knistern lauschen und in Kindheitserinnerungen schwelgen – um anschließend wieder 30 und endlich Berlinerin zu sein. Also alles gut.