Dresden-Es sind nicht nur die fehlenden Touristen, die das doch sonst so prachtvolle und weitläufige Dresdner Museumsareal vom Zwinger übers Residenzschloss und das Albertinum an der Brühlschen Terrasse bis zum Schloss Pillnitz so traurig einsam erscheinen lassen. Auch die Dresdner Bürger selbst hat die Melancholie gepackt, denn Kunstfreude in Elbflorenz lieben nichts so sehr wie die Schätze ihrer Museen.

Monatelang aufgrund des Lockdowns nicht zu Raffaels Sixtinischer Madonna zu dürfen, ist für deren Liebhaber eine regelrechte Strafe. Andere können es nicht mehr erwarten, das Residenzschloss zu betreten, durchs Grüne Gewölbe zu flanieren und endlich die erst vor der Schließung aufgebaute große Sonderschau „Crossing Borders“ zum 300-jährigen Jubiläum des Kupferstichkabinetts zu sehen.

Am Dienstag kam nun ein Signal aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Man bereite sich auf eine Öffnung Anfang März vor. Das klingt nach Pioniergeist. Die kleine Schwester von Sorge und Angst ist bekanntlich die Hoffnung. Aber wie schon nach dem ersten Zusperren im Frühjahr 2020 soll dies, betont Generaldirektorin Marion Ackermann, nun Schritt für Schritt erfolgen. Vorausgesetzt, die Zwangspause werde nach dem 14. Februar tatsächlich enden und Sachsens Regierung erlaube Lockerungen. Ein Vorbehalt also mit noch immer sehr großem Fragezeichen. Marion Ackermann will in diesem Fall zuerst die Gemäldegalerie Alte Meister im Semperbau am Zwinger und das Residenzschloss zugänglich machen. Diese Häuser gelten als Aushängeschilder des Museumsverbundes und haben seit Jahren die meisten Besucher. „Unser Plan basiert auf diesem Szenario“, so die Generaldirektorin.

Im Pandemiejahr 2020 konnten Dresdens Museen noch bis November vom innerdeutschen Ferientourismus profitieren, die Resonanz war größer als erwartet. Nun setzen sie erneut auf das lokale und regionale Publikum und dann ab Ostern auf spürbaren nationalen Tourismus – und auf kontinuierlich steigende Besucherzahlen, wie Geschäftsführer Dirk Burghardt am Montag seine Hoffnung gegenüber der Deutschen Presse Agentur äußerte. Die Erwartungen sind allerdings gedämpft. Denn wegen der ersten coronabedingten Schließzeit sowie abgesagter und verschobener Projekte rechnen die Kunstsammlungen mit nur 40 Prozent der geplanten Erlöse, für 2021 mit 55 Prozent, bei reduziertem Programm. Der Inlandstourismus könne vielleicht helfen, das ausbleibende Auslandspublikum zumindest teilweise zu kompensieren.