„Der zerbrochne Krug“. Zu sehen: das Ensemble Christian Schaefer, Kristin Schulze, Katrin Schell, Martin Schneider, André Zimmermann, Angelika Perdelwitz, Matthias Zahlbaum, Moritz Meyer.
Foto: Matthias Zahlbaum

Adam und Eve – natürlich. In Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ von 1811 geht es, wenn man es genau nimmt – und wie könnte das bei Kleist anders sein – ums große Ganze. Der Dorfrichter schleicht des Nachts zu Eve, der jungen Tochter der Frau Marthe Rull – ein Sündenfall nicht nur hinsichtlich der richterlichen Wollust. Adam richtet im weiteren Verlauf seiner kuriosen Bemühungen, rationale Erklärungen für sein derangiertes Erscheinungsbild zu finden, über sich selbst und wird am Ende doch aus dem Paradies vertrieben, das für ihn das angesehene Richteramt im niederländischen Dorf Huisum war.

Huisum ist überall, auch wenn sich auf dem zerbrochnen Krug, wie Marthe Rull wortreich berichtet, die Geschichte Spaniens abgebildet war. Die Scherben, so eine geschichtsphilosophische Lesart, symbolisieren auch einen gesellschaftlich notwendigen Neuanfang.

Folgt man der Spur des Schauspielprojektes Theater 89, dann ist Huisum auch in Beeskow, Rheinsberg, Neuruppin, Gransee, Jüterbog und Treuenbrietzen. Und das sind nur einige Sommerstationen des freien Ensembles, das 1989 in den letzten Tagen der DDR gegründet worden war.

Als Volkstheater im besten Sinne zieht es derzeit über die Plätze und vor die Schlossanlagen brandenburgischer Kleinstädte. Ein großer Spaß, zu dem am Ende die politisch nicht ganz unumstrittene Brandenburg-Hymne „Märkische Heide, märkischer Sand“ aus der Feder des Heimatdichter Gustav Büchsenschütz nicht fehlen darf. „In Staub mit allen Feinden Brandenburgs“ heißt es übrigens in Kleists „Prinz von Homburg“.

In der abendlichen Sommerluft am Kirchplatz und im gebotenen Abstand zu den anderen Zuschauern aber fühle ich mich nicht an historische Analogien erinnert. Vielmehr fällt auf, dass der Kleist’sche Blick auf den korrupten Richter Adam jenem Misstrauen ähnelt, das nunmehr den staatlichen Institutionen entgegenschlägt, die mitunter bis in den Zustand der Verzweifelung bemüht sind, die Auswirkungen einer Pandemie zu regulieren. Man ist versucht, dem Staat, den nicht zuletzt Kleist kritisierte, nun ein paar Verteidiger zu wünschen.

Weitere Termine: 29.8. in Neuzelle, 30.8. in Jüteborg, 2.10. in Frankfurt (Oder)