Polizisten während einer Demonstration in Berlin.
Foto: imago images/Marius Schwarz

Berlin - Als Bundesinnenminister Horst Seehofer unlängst die Absicht bekundete, Strafanzeige gegen die taz-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah zu stellen, schien die Angelegenheit plötzlich einfach. Was konnte man anderes tun, als sich schützend vor die Autorin zu stellen, die im Sinne des Presserechts nicht einmal verantwortlich für einen etwas verunglückten Text über mögliche Berufsalternativen für Polizisten war? Yaghoobifarah hatte für eine Art Abschiebung des gesamten Berufstands auf die Müllkippe votiert und damit Empörung ausgelöst, nicht nur bei Seehofer.

Dabei blieb es aber nicht. Wenn ich sage, „verunglückter Text“, dann mache ich mich inzwischen verdächtig, einem Lager alter, weißer Rassisten anzugehören. Selbst in der debattenerprobten Tageszeitung taz scheint derzeit kaum jemand zu wissen, wie man auf die sichere Seite kommt. Nach Seehofers Intervention nämlich setzte eine hermeneutische Gegenoffensive ein, die Yaghoobifarahs Kolumne als legitime Reaktion vielfacher Diskriminierungserfahrung deuteten und ihr somit eine ganz andere Wahrheit attestierten.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.

Weitere aktuelle Themen